Die Kraft der Schöpfung

Im Bistum Aachen gibt es einige Gärten, die neben der Kulturgeschichte des Gartenbaus vor allem aber die Kraft der Natur zeigen. Die KirchenZeitung stellt einige Beispiele aus den Regionen vor.

(c) Garnet Manecke
Datum:
1. Apr. 2025
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 14/2025 | Garnet Manecke

Wenn von der Schöpfung die Rede ist, dann meint der Mensch oft die Natur mit ihren Bäumen und Sträuchern, den Tieren und Gewässern. Oft versucht er, diese Natur nach seinen Wünschen zu formen. So sind die Gärten entstanden.

Es ist eine Illusion, dass sich der Mensch die Natur „untertan“ machen könnte. Das weiß jeder, der mit Hacke und Spaten gegen Unkräuter kämpft oder sich über unerwünschte Blumen und Maulwurfshügel im Rasen ärgert. Trotzdem versucht er seit der Steinzeit, Grünanlagen zu kultivieren. Angefangen hat wohl alles mit Olivenbäumen, deren Früchte der Steinzeitmensch noch von wilden Olivenbäumen erntete.

Über 6000 Jahre ist es her, dass der Mensch begann, selbst solche Bäume gezielt zu pflanzen. Seitdem hat er die Kunst des Gartenbaus kontinuierlich kultiviert. Und doch ist es ihm selbst in den mit dem Zirkel geplanten und angelegten Gärten von Schlössern nicht gelungen, die Natur in die Schranken zu weisen. Sobald er aufhört zu mähen, zu schneiden und zu jäten, sprießt es wieder auf den Wegen und zwischen Terrassensteinen.

Dieser Freiheitswille der Natur aber hat für den Menschen eine wichtige Botschaft: „Es geht immer weiter, auch für Dich ist gesorgt.“ Im Bistum Aachen gibt es einige Gärten, die das zeigen.

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Brunnenhof Mönchengladbach   Im Frühling 2024 wurde er wieder eröffnet: neu gestaltet, moderner, aufgeräumter. Der alte Brunnen mit seiner hüfthohen Mauer und dem Schieferdach wurde gegen eine moderne Fassung ersetzt. Auf dem erhalten gebliebenen Brunnenkranz steht jetzt ein Stockbrunnen mit einer Wasserschale. Auch hier ist die Schöpfung erfahrbar, aber auf eine ganz andere Weise als in üppigen Gärten. Der Brunnenhof liegt mitten in der Mönchengladbacher Innenstadt zwischen Münster-Basilika, Schatzkammer und Rathaus. Er war früher Teil der Benediktinerabtei. Heute ist er ein Ort, an dem sich der Mensch regenieren und eine Auszeit vom hektischen Alltag einer Stadt nehmen kann. Oft wird vergessen, dass der Mensch nicht mit oder in der Natur lebt: Er ist ein Teil davon – auch, wenn er Städte bauen kann.

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Haus Hohenbusch, Erkelenz   Jedes Jahr im Frühling zieht ein leises Summen durch die Anlagen von Haus Hohenbusch. Die ersten Bienen fliegen und suchen sich in den Frühblühern die erste Nahrung. Bis zum Sommer wird es jeden Monat etwas „lauter“, wenn die bunte Blumenwiese in voller Blüte steht und zum Paradies für Insekten wird. Hier lässt sich beobachten, wie die Natur funktioniert, wie sie für jeden Nahrung und Schutz bietet und wie der Tod jedes Lebewesen wieder in den Kreislauf zurückführt. Das wird umso klarer, wenn man sich vorstellt, dass auf dem Gelände auch Kunst-Veranstaltungen mit viel Technik wie das „Electrisize Festival“ stattfinden. Gleichzeitig ist hier zu erleben, wie die Natur auch zur Architektur werden kann, wenn sie die Grundrisse der ehemaligen Klosterkirche mit Bäumen und Sträuchern markiert.

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Karlsgärten, Aachen   Eine Reise in die Zeit Karls des Großen bieten die Karlsgärten in Aachen. Sie gehören zu den besonderen Gärten, die in das Buch „Historische Küchengärten im Rheinland“ von Stephanie Hauschild und Marion Nickig (erschienen im Greven Verlag) aufgenommen wurden. Seit 1965 zeigt der „kleine“ Karlsgarten am Rathaus eine Auswahl der Kräuter und Blumen, die auf der Liste „Capitulare de villis vel curis imeperialibus“ standen, die der Kaiser selbst zusammengestellt haben soll. Im Karlsgarten Melaten können Besucher die ganze Vielfalt der schon vor 1000 Jahren kultivierten Pflanzen erleben. Auffallend ist hier, dass der Garten die Reihenfolge der Liste widerspiegelt. So wachsen Gemüse, Zierpflanzen und Kräuter nebeneinander in den Beeten. Die Liste orientierte sich an der Wirkung der Pflanzen.

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Schönwasserpark, Garten, Krefeld-Oppum   Im Gegenlicht sind die roten Lebensadern, die sich durch das Mangoldblatt ziehen, gut zu erkennen. Das Blatt wächst im Bauerngarten, der Teil des Botanischen Gartens ist. Insgesamt 5000 Pflanzenarten aus aller Welt wachsen hier. Sie geben eine Ahnung davon, welch große Vielfalt die Schöpfung rund um den Globus zeigt. Angefangen hat der Botanische Garten 1927 als kleiner Schulgarten. Der Bauerngarten mit seinen Kräutern, dem Gemüse und Obst ist einer von fünf Gärten. Der Apothekergarten konzentriert sich auf Heilpflanzen, der Rosengarten zeigt 150 Sorten, und das Schaugewächshaus bietet Pflanzen aus verschiedenen klimatischen Regionen. Wissenschaftlich mutet die systematische Abteilung an, in der die Pflanzen nach ihrer Verwandtschaft angepflanzt wurden. 

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Schloss Dyck, Jüchen   Die eindrucksvollen Parkanlagen des Wasserschlosses zeigen, wie der Mensch immer wieder in die Schöpfung eingriff, seit er sich niedergelassen hat. Das reichte von der Anlage natürlich anmutender Küchengärten, in denen die Pflanzen so gesetzt werden, dass sie sich gegenseitig unterstützen können, bis zu ins kleinste Detail durchgeplanten Gärten mit gestutzten Hecken, angelegten Gewässern und Zen-Garten. Aber sie zeigen auch, dass die Natur sich nur in Grenzen dem Menschen unterordnet. Wenn er nicht aufpasst, dann lugt hier ein Zweig aus der gerade geschnittenen Hecke oder breitet sich ein Kraut bei nächster Gelegenheit über die ihm zugewiesenen Grenzen aus. Am Ende ist klar: Der Mensch ist Teil der Natur, und deshalb wird die Natur letztlich die Oberhand behalten.