»Der Wald hilft uns, wirklich mal runterzufahren«

Rolf Jakobs ist Ranger im Nationalpark Eifel. Er arbeitet dort, wo andere Urlaub machen. Menschen sind mehr als Zaungäste, aber im Mittelpunkt steht der Schutz der Wildnis.

Für mich ist das der Traumberuf
Für mich ist das der Traumberuf", sagt Rolf Jakobs. Er mag es, im Wald mit Menschen ins Gespräch zu kommen.
Datum:
11. März 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 06/2026 | Stephan Johnen

Ranger im Nationalpark Eifel leiten Führungen, pflegen das Gebiet und überwachen die Einhaltung der Schutzbestimmungen. Ihre Arbeit leisten sie nicht im Verborgenen. Schon der auffällige Mountie-Hut sticht von Weitem ins Auge. Ranger sind als Ansprechpartner für Besucher auch so etwas wie eine Schnittstelle zwischen Mensch und Natur. Rolf Jakobs ist einer von ihnen.

Was sollen Besucher nach einem Tag im Wald mit nach Hause nehmen?

Rolf Jakobs: Mitnehmen natürlich nichts (lacht). Sowohl das Einbringen von Dingen wie auch das Mitnehmen ist verboten. Aber viele positive Eindrücke dürfen alle gerne mitnehmen! Ich würde mir wünschen, dass Menschen, wenn es nicht schon vorhanden war, ein tiefes Verständnis für einen Nationalpark mit nach Hause nehmen. Dass wir hier Natur Natur sein lassen – und akzeptieren, dass nicht alles wirtschaftlich vermarktet werden muss. Der Nationalpark lebt nicht vom Tourismus, sondern von seinem Zustand.

Zur Person

Seit 2016 ist Rolf Jakobs Ranger im Nationalpark Eifel. Der 56-Jährige hat ursprünglich eine Ausbildung in der Forstwirtschaft gemacht und die Prüfung zum Forstwirtschaftsmeister abgelegt. Wer Ranger werden möchte, braucht eine Berufsausbildung im „grünen Bereich“ (wie Forstwirt) und muss die Weiterbildung „Geprüfte*r Natur- und Landschaftspfleger*in“ absolviert haben. Im Nationalpark Eifel sind täglich 17 Ranger unterwegs.

 

Menschen sind also nur Zaungäste?

Jakobs: Menschen gehörenselbstverständlich dazu; wir wollen Menschen an diesem Naturerlebnis teilhaben lassen. Deswegen haben wir eine Infrastruktur mit 240 Kilometer Wanderwegen, 110 Kilometern Fahrradwegen und 60 Kilometern Reitspuren auf fast 11.000 Hektar Nationalparkfläche. Ohne Menschen kämen wir einem Urwald an vielen Stellen recht nahe. Wir brauchen eine Besucherlenkung. Sie dient dem Schutz der Natur, um Menschen aus den absoluten Ruhezonen herauszuhalten.

"Kein Tag ist wie der andere", sagt Rolf Jakobs. Regelmäßig führt er Besucher durch den Nationalpark.

Warum kommen die Menschen in den Nationalpark Eifel?

Jakobs: Der Wald hilft uns, wirklich mal runterzufahren. In unserer hektischen Zeit ist das einer der Hauptpunkte. So viele Leute arbeiten im Büro, sind gestresst, haben den Kopf zu. Sie empfinden es als Highlight, pfeifend durch die Natur zu laufen. Bei anderen Menschen ist es der Drang nach Wissen. Sie wollen sich informieren und weiterbilden. Und es gibt auch sportliche Gründe. Diese Besucher möchten wandern, in der Natur aktiv sein. Oft ist es eine Mischung.

Was hat Sie in den Wald geführt? Warum sind Sie Ranger geworden?

Jakobs: Für mich ist das der Traumberuf. Ich habe mich schon als Jugendlicher für die Natur interessiert, war immer gerne draußen. Die Nordeifel ist meine Heimat, ich bin hier tief verwurzelt. Mit steigendem Alter werden die körperlichen Herausforderungen in der Forstwirtschaft, in der ich tätig war, nicht kleiner. Mir hat aber auch der Austausch gefehlt. Ich mag es, Menschen für die Natur zu begeistern, ökologische Zusammenhänge erklären zu können. Statt eintöniger Forstwirtschaft erleben wir hier einen Wald, der Schritt für Schritt immer weiter sich selbst überlassen wird.

Gibt es eine ideale Jahreszeit für einen Besuch?

Jakobs: Jeder Tag ist anders. Kein Blick ist wie der andere. Es ändert sich immer etwas. Selbst für uns Ranger ist es immer wieder ein Erlebnis, wie sich entlang der Strecken und Wege, die wir mehrfach belaufen, alles verändert. Im Wechsel der Jahreszeiten, aber auch von Jahr zu Jahr. Auch eine Totholzfläche ist keine tote Fläche, hier passiert ganz viel, bei genauer Betrachtung entpuppt sie sich als Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Das ganze Jahr über kommen auch „Spezialisten“ unter den Besucherinnen und Besuchern. Zu den ersten gehören die Ornithologen, die das Zwitschern der zurückkehrenden Zugvögel aufnehmen wollen. Im September sind es die Pilzexperten, Ende September, Anfang Oktober kommen Menschen, die das Rotwild bei der Brunft erleben möchten. Der Nationalpark  ist das Ziel ganz unterschiedlicher Interessengruppen.


Auf welche Besucher können Sie getrost verzichten?

Jakobs: Auf alle, die sich nicht an die Regeln halten und sich darüber hinwegsetzen. Seien es Downhill-Biker, die querfeldein fahren, Wildcamper oder Badetouristen entlang des Rursees, die brandgefährliche Lagerfeuer anzünden und Abfallmengen hinterlassen. Der allergrößte Teil der Besucher geht mit der Natur. Leider gibt es wenige Ausnahmen, die vieles für andere kaputtmachen. Wenn eine freundliche Ansprache und Erklärungen nicht ausreichen, können wir Ranger auch Ordnungsgelder verhängen.


Schenkt man dem Internet Glauben, gibt es immer mehr Menschen, die Angst vor Wald und Natur haben. Stimmt das?

Jakobs: Ich erlebe eher, dass viele Menschen hier etwas suchen. Das beste Beispiel ist das Waldbaden. Hier wird ganz bewusst der Kontakt zur Natur aufgebaut, werden Bäume umarmt. Generell glaube ich aber, dass ein Stück weit der Bezug zum Wald, zu Flora und Fauna, verloren gegangen ist und damit auch viel Wissen. Wir erleben aber auch viele junge Leute, die sich für den Wald interessieren und sich ohne beruflichen oder fachlichen Zugang eingelesen haben. Das Gegenstück des Waldbadens ist die sogenannte Biophobie. Ich denke, hier spielen Medien eine Rolle: Unwetterwarnungen, Schadensereignisse, die Angst vor Bären und Wölfen – Natur wird aus diesem Blickwinkel schnell zur Gefahr. Nicht zu einem Raum, den ich gerne betrete. Ganz oft fehlt leider das nötige Hintergrundwissen, um die Dinge sachlich einordnen zu können. Aber auch dafür kann man uns Ranger ansprechen und Fragen stellen oder gleich eine Führung mitmachen.


Sie haben gesagt, die Menschen seien oft auf der Suche nach etwas. Ermöglicht ein Ort wie der Nationalpark einen anderen Zugang zur Schöpfung?

Jakobs: Eigentlich stehe ich ja jeden Tag mittendrin in dem, was erschaffen worden ist. Es muss nicht der Nationalpark Eifel sein, aber in der Natur, die nicht maschinell bearbeitet oder von Menschen geplant wurde, fühle ich mich als Teil der Schöpfung. 

Ein echter Hingucker ist die  Narzissenblüte. (c) M. Menninghaus
Ein echter Hingucker ist die Narzissenblüte.

Sind Sie ein gläubiger Mensch?

Jakobs: Ja. Es gibt viele Verse in der Bibel, die mit der Natur in Einklang zu bringen sind. Bei Schicksalsschlägen hilft es, geerdet zu sein. Persönlich finde ich es gut, dass noch einige der alten Pilgerwege durch den Nationalpark offen sind. Es kann nicht schaden, mal an einem Kreuz stehen zu bleiben und fünf Minuten innezuhalten.


Haben Sie einen Lieblingsort im Nationalpark?

Jakobs: Es gibt ein paar Stellen, die mir nicht so gut gefallen, an den Seen ist es mir persönlich während der Hauptsaison zu voll. Aber wer ein bisschen Herausforderung sucht und gute Ausdauer hat, sollte in die Höhe gehen! Es gibt sehr schöne, aber auch anspruchsvolle Wege wie den Wildnistrail mit vier Tagesetappen. Wenn es möglich ist, knöpfe ich mir bei Gebietskontrollen gerne mal eine Etappe davon vor.

 

Welche Tour empfehlen Sie für den Frühling?

Jakobs: Eine sehr schöne Tour ist von Heimbach aus durchs Steinbachtal hinauf zum Kloster Mariawald und über die Schöne Aussicht zurück. Auf dem Schöpfungspfad ist von allem etwas dabei: alte Buchenwälder, Fichten-Kalamitätsflächen, Schiefergestein in den Steilhanglagen, Offenlandflächen und traumhafte Bachtäler. Der Naturerkundungspfad „Der Wilde Weg“ im barrierefreien Natur-Erlebnisraum Wilder Kermeter ist ein absolut barrierefreies Angebot. Es ist wichtig, Naturerleben für alle Besucherinnen und Besucher möglich zu machen, hier war der Nationalpark Eifel in Deutschland sehr früh aktiv. Für jeden, der auf diesem Weg unterwegs ist, hat es sich gelohnt.   


Auf was sollten Besucher des Nationalparks immer eingestellt sein?

Jakobs: Zur Ausrüstung gehört ein gut sitzender Rucksack, eine Regenjacke, festes Schuhwerk und ausreichend Getränke und Verpflegung. Für das Naturerleben ist ein Fernglas sinnvoll. Die Wanderkarte hilft, wenn das Handy kein Netz hat. Auch ein kleines Verbandsset sowie je nach Jahreszeit Mütze, Schal oder Sonnencreme sind gut. Viele Menschen unterschätzen, dass es schon einmal länger dauert als geplant, und haben nicht genug zu trinken dabei.