"Der Mut war beeindruckend"

Die Initiative hat viel erreicht, aber es bleibt noch etwas zu tun

Datum:
22. Apr. 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 09/2026 | Kathrin Albrecht

Am 24. Januar 2022 strahlte die ARD die Dokumentation „Wie Gott uns schuf“ aus. Damit gingen über 100 queere Personen, die sich in der Initiative „Out in Church“ zusammengeschlossen hatten, mit ihren Gesichtern und Geschichten an die Öffentlichkeit. Vier Jahre später greift der Fotograf Martin Niekämper das Thema mit seiner Ausstellung „Gut.Katholisch.Queer“ auf. Die Ausstellung war im Februar und März dieses Jahres in der Mönchengladbacher Citykirche zu sehen und kommt vom 8. bis zum 29. Mai in die Citykirche St. Nikolaus nach Aachen. 

Wie haben Menschen aus dem Bistum Aachen die Dokumentation wahrgenommen? Uwe Schummer, damals Vorsitzender der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) in Krefeld und jetzt Vorsitzender des regionalen Katholikenrats Kempen-Viersen, erinnert sich: „Der Mut war beeindruckend. Das musste man unterstützen. Über die KAB war ich direkt mit dem Thema verbunden.“ 125 +, das sei eine gewichtige Zahl an Menschen, die anerkannt und respektiert werden wollen. „Die Bistümer Essen und Aachen haben auch sehr schnell reagiert.“

Die Initiative forderte, dass die private Lebensgestaltung und sexuelle Orientierung weder Einstellungshindernis noch Kündigungsgrund im kirchlichen Dienst sein dürfen. „Es ist gut, dass arbeitsrechtlich das System der Angst vor Kündigung, Nichteinstellung oder Mobbing formal beendet wurde.“ Doch die Angst sei immer noch vorhanden, sagt Schummer. „Ich höre immer noch: ,Wenn ich das öffentlich mache, ist meine Karriere beendet.‘ “ Was es brauche, seien positive Vorbilder. Doch der Blick auf andere gesellschaftliche Bereiche, wie Politik oder Sport, zeigt, ein Outing ist nach wie vor schwierig. Dabei sollte es darum gehen, was ein Mensch in seiner Position leistet, findet Uwe Schummer.

Wichtig findet er auch die Fortschritte bei der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Sorge bereitet ihm der politische und gesellschaftliche Rechtsruck. „Es ist eine Weltbild- und Werteverkehrung, die ich nicht nachvollziehen kann.“

Parteien wie die AfD oder die aktuelle US-Regierung betreiben eine Entwertung des Anständigen und eine Neubewertung des Christentums. „Darum finde ich es wichtig, dass die deutschen Bistümer die Nichtvereinbarkeit des christlichen Menschenbildes mit dem völkischen Nationalismus der AfD herausgestellt haben.“