Wie war das eigentlich mit der Schöpfung der Welt? – eine knifflige Hausaufgabe hat Leonora im Religionsunterricht bekommen. Jetzt sitzt sie im heimischen Wohnzimmer und erzählt ihrem Vater davon.
Der interessiert sich zunächst mehr für seine Tageszeitung, beginnt dann aber doch mit seiner Tochter die Geschichte im Buch Genesis in der Bibel nachzulesen. Die Geschichte gibt Leonora zu denken und mit ihren Freunden, die zunächst so gar keinen „Bock auf Bibel“ haben, beginnt sie darüber nachzudenken, wie wir alle besser mit der Umwelt und der Schöpfung umgehen können.
Michael Hoppe, Kirchenmusikreferent im Bistum Aachen und Domorganist am Aachener Dom, komponierte das Kindermusical „Der Beginn“, das die Geschichte von Leonora und ihren Freunden erzählt, 2005. „Die Geschichte schlägt einen Bogen von der biblischen Geschichte in die Gegenwart. Und sie enthält Szenen, die so auch auf dem Schulhof stattfinden könnten“, erzählt Friederike Braun, Kirchenmusikerin in Willich und Regionalkantorin Kempen-Viersen. Mit Schülerinnen und Schülern der Kolpingschule und dem Kinderchor St. Katharina Willich brachte sie das Musical rund 20 Jahre nach Erscheinen zum ersten Mal im Bistum wieder zur Aufführung.
An Aktualität verloren hat „Der Beginn“ nicht. Im Gegenteil. Die Frage, wie wir mit der Schöpfung, unserer Erde, umgehen, ist aktueller denn je. Am Aufführungstag spüren das Publikum und alle Akteure selbst in der Kirche die Auswirkungen einer Hitzewelle, die die Region so noch nicht erlebt hat.
300 Akteure: Sängerinnen und Sänger, Schauspielerinnen und Schauspieler, Musikerinnen und Musiker, darunter Mitglieder der Bigband der Bundeswehr und Michael Hoppe am Klavier, wirkten an der Aufführung mit. Parallel dazu hatten sich die Kinder der Kolpingschule mit dem Thema Nachhaltigkeit im Unterricht auseinander gesetzt. Die Ergebnisse präsentierten sie in einer Ausstellung im Pfarrheim, die vor und nach der Musical-Aufführung für Besucher offen war. Außerdem gestalteten die Kinder der vierten Klassen der Schule unter Leitung von Lisa Otten das Bühnenbild.
Auch musikalisch sei das Musical immer noch aktuell. „Bis zum Schluss haben die Kinder die Lieder auch gerne gesungen“, erzählt Braun. Das sei immer ein gutes Zeichen.
Die Kooperation mit der Kolpingschule besteht seit zehn Jahren. Dort singt und musiziert Braun zweimal die Woche mit den Kindern. So ist die Schnittmenge zwischen Kinderchor und Kolpingschule groß: „Von 60 Chorkindern besuchen 45 die Kolpingschule“, erzählt die Kantorin. „Das befruchtet sich gegenseitig.“
Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist Braun wichtig. So erreicht sie nicht nur Kinder und Jugendliche, die sonst wenig mit Kirche in Berührung kommen, sondern weckt bei ihnen auch die Begeisterung für Musik im Allgemeinen und Chormusik im Besonderen.
Das darf auch ruhig ein bisschen herausfordern, findet sie. Kinder spürten, wenn sie unterfordert würden und fühlten sich dann nicht ernst genommen. Darum arbeitet sie bei großen Projekten auch gerne generationenübergreifend, erzählt Braun. 2024 führten der Jugendchor und der Kirchenchor St. Katharina gemeinsam das Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy auf. Und auch der Kinderchor wirkte schon bei großen Chorkonzerten bei den einfacheren Chorstücken mit.
In den Kindertagesstätten St. Elisabeth Schiefbahn und St. Johannes Anrath bieten Braun und ihr Kollege Marcell Feldberg außerdem musikalische Früherziehung an.
Einmal in der Woche, immer dienstags ab 15.15 Uhr, probt der Kinderchor, gestaffelt nach Altersstufen der Kinder. Feste Termine im Konzertplan sind neben Gottesdiensten im Pastoralen Raum das Patrozinium, bei dem der Kinderchor mit allen Chören an St. Katharina auftritt, das Krippenspiel mit Familiengottesdienst und das Weihnachtskonzert zum Zuhören und Mitsingen, bei dem auch die anderen Chöre wieder mitwirken.
Für „Der Beginn“ proben die jungen Sängerinnen und Sänger seit den Herbstferien gemeinsam mit den Kindern der Kolpingschule.
Bei der Aufführung in St. Katharina soll es aber nicht bleiben. Im kommenden Jahr ist eine Aufführung beim Neersener Schlossfestival geplant. Auch beim Kinderchortag des Bistums Aachen soll es zur Aufführung kommen.