Das ist Menschen nicht würdig

Info- und Aktionstag für bessere Arbeitsbedingungen weltweit

Die Aktionen in der Citykirche griffen Themen wie Arbeit 4.0, Tarifbindung, Lohngerechtigkeit und informelle Arbeit in Madagaskar auf. (c) Andrea Thomas
Die Aktionen in der Citykirche griffen Themen wie Arbeit 4.0, Tarifbindung, Lohngerechtigkeit und informelle Arbeit in Madagaskar auf.
15. Okt 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 42/2019 | Andrea Thomas

Seit gut zehn Jahren wird am 7. Oktober der „Welttag für menschenwürdige Arbeit“ begangen. 2008 hatte der internationale Gewerkschaftsbund (IGB) erstmals zu einem „Internationalen Tag für Gute Arbeit“ aufgerufen. Ziel ist es, darauf aufmerksam zu machen, was Menschen sich bieten lassen müssen, um Arbeit zu haben.

 In Aachen hatten sich dazu der Diözesanverband der KAB und KAB-Arbeitskreis Madagaskar, der Sachausschuss Kirche und Arbeiterschaft des Aachener Katholikenrates, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Region NRW Süd-West und die Aachener Citykirche zusammengeschlossen. In der Fußgängerzone vor der Kirche parkte das Aktionsmobil von KAB, Diözesanrat der Katholiken und Nell-Breuning-Haus zum Thema Digitalisierung der Arbeit. Hier und an einem Stand innen konnten Menschen von ihren Erfahrungen mit „Arbeit 4.0“ berichten: Was hat sich für sie verändert, positiv wie negativ? Welche Erwartungen/Befürchtungen haben sie für die Zukunft von  Arbeit?

„Noch bis zum Welttag in einem Jahr wollen wir diese Geschichten sammeln“, erklärt Andris Gulbins, Diözesansekretär und Leiter des Bildungswerks der KAB. So soll jenseits aller Theorien dazu ein lebendiges Bild davon entstehen, was „Arbeit 4.0“ für Menschen bedeutet, angefangen bei der Verdrängung einfacher Arbeit bis hin zum Arbeiten von zuhause aus im „Home-Office“. Vor der Citykirche hatte auch der  DGB seinen Stand. Hier konnte man sich „einen Tarifvertrag angeln“. Was lustig klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Auch im wahren Leben sei es für Beschäftigte inzwischen ein Glücksspiel ,noch einen Tarifvertrag zu bekommen, erläutert Regionalgeschäftsführer Ralf Woelk. „Viele wissen gar nicht, ob sie nach Tarif bezahlt werden. 2018 lag die Tarifbindung im Westen noch bei 56 und im Osten bei 45 Prozent.“ Ihr Anliegen ist, die Tarifbindung wieder zu stärken.

Ein weiteres Thema des Tages war „Lohngerechtigkeit“. Dazu hatte der Sachausschuss Kirche und Arbeiterschaft ein Quiz konzipiert, bei dem man sein Wissen testen konnte. Ein (ernüchterndes) Ergebnis: Deutschland liegt im Vergleich an vorletzter Stelle in Europa. Leiharbeit, Werksverträge und prekäre Arbeit steigen.

 

Aufruf an die Amazoniensynode

Doch es ging nicht nur um die Situation bei uns. Am Beispiel des KAB-Partnerlands Madagaskar konnten sich Besucher ein Bild davon machen, wie die Arbeits- und Lebensbedingungen dort im Vergleich zu Deutschland sind. Ist Arbeit bei uns schon oft nicht menschenwürdig, so ist sie es dort erst recht nicht. Der Anteil an informeller Arbeit – Arbeit, die von der gesetzlich geregelten Normalform und den in der jeweiligen Wirtschafts-ordnung vorherrschenden Standards abweicht – ist hoch. „Nur knapp 5 Prozent der Menschen dort haben so etwas wie eine Altersabsicherung“, erläutert Andris Gulbins.  Der Sachausschuss hat einen Aufruf „Die Zeit ist reif“ verfasst und den deutschen Teilnehmern der Amazoniensynode mitgegeben, der die Probleme benennt und die Forderungen für mehr soziale Gerechtigkeit bündelt.