Das grüne Krefeld

Wer sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf den Weg macht, entdeckt viele schöne Seiten der Seidenweberstadt

Wer auf dem Hülser Berg spazieren geht, hat jahrtausende alte geologische Geschichte unter den Füßen. (c) Andreas Bischof
Wer auf dem Hülser Berg spazieren geht, hat jahrtausende alte geologische Geschichte unter den Füßen.
Datum:
11. März 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 06/2026 |Chrismie Fehrmann

Der Frühling ist die perfekte Zeit, um entspannte Spaziergänge oder Ausflüge in die Natur zu genießen. Es müssen nicht immer Geheimtipps sein. Manch schöne Orte sind in Vergessenheit geraten und können neu entdeckt werden, andere sind einen ersten Besuch wert. In Krefeld gibt es viele Möglichkeiten, sich mit allen Sinnen umzusehen oder sich ganz nach Belieben an Natur, Kunst und Freizeit zu erfreuen.

Haus Lange und Haus Esters  mit ihren Gärten

Nicht nur die Villen Haus Esters und Haus Lange sind als Bauhausvillen berühmt, auch in den Gärten finden Kunstbegeisterte viele Anlaufstellen, dauerhaft und bei Ausstellungen. (c) Andreas Bischof
Nicht nur die Villen Haus Esters und Haus Lange sind als Bauhausvillen berühmt, auch in den Gärten finden Kunstbegeisterte viele Anlaufstellen, dauerhaft und bei Ausstellungen.

Los geht es in Stadtwaldnähe, in den Gärten der Häuser Lange und Esters an der Wilhelmshofallee, die selbst als Bauhausvillen Berühmtheit besitzen und heute als Museen dienen. Architekt Mies van der Rohe überließ nichts dem Zufall. Er bestimmte Gestaltung und Größe von Haus, Terrasse und Garten.

Selbst bei der Auswahl der Rosensorten, die sich die Familien Esters und Lange in ihre Gärten pflanzen wollten, hat er sich eingemischt. Für ihn war die Architektur der Villen und ihrer Gärten untrennbar miteinander verbunden. Außen- und Innenraum gehen ineinander über, sind eine Einheit, der Blick geht von den Fenstern in die Weite. Beide Parks sind über 100 Meter lang.

Das Wahrzeichen im Vorgarten der Villen ist die blaue Zahnbürste mit rosa Paste des gebürtigen Schweden Claes Oldenburg.

 

 Er ist eine der Schlüsselfiguren der Pop Art und liebte es, Alltagsgegenstände wie Löffel, Wäscheklammern oder Nahrungsmittel aus ihrem gewöhnlichen Umfeld isoliert und humorvoll monumentalisiert darzustellen. Erst der Titel ,Ausschnitt einer Zahnbürste mit Paste im Becher auf einem Waschtisch’ erklärt dem Betrachter, was er denn sieht. Danach erkennt er die Details – vor allem von der Seite.

Der Weg führt weiter in den tiefer gelegten Wirtschaftshof von Haus Esters. Für die kauernde „Bronzefrau II“ von Thomas Schütte ist er ein großes und in seiner Bauhaus-Reduktion schlichtes Geviert, das den Blick direkt auf die Figur mit dem multiplen Wesen in der Mitte lenkt. Die Frau ist in ihrer Präsentation zum Haus hin ausgerichtet, auf einem tonnenschweren Stahltisch, wie auf einer Bühne.

Die Bronzefrau ist eine menschliche Figur mit expressiven, ins Amorphe gehenden Zügen. Das wallende Haar ist zu erkennen, auch Po und Schenkel. Aber dann sind es wieder entenartige Füße, ihre anderen rüsselartigen Formen und beispielsweise eine nach außen geschobene Schulter, die den Betrachter fesseln. Die voluminösen Schwünge und Rundungen von Schüttes kauernder Gestalt schwanken zwischen sinnlicher Verführung und Unterwerfung ebenso wie zwischen Vertrautheit und Fremdheit.
„Erhöhungen für Mies“ nennt Richard Serra, einer der bedeutendsten Stahlbildhauer aus New York, sein Werk, seine Hommage an den Star-Architekten. Serra setzte sein Werk in Bezug zum kubischen Baukörper insgesamt.

Die zwei massiven, geschmiedeten Stahlblöcke richtet er im Garten in einer direkten Linie zum Haus aus. Die Spannung liegt in der Horizontalen, ist als Energie in die Kuben gepresst, in gestalterischer Anlehnung an den Menschen und mittlerweile schön verwittert und haltbar auf ewig.

Der Fuß verharrt unwillkürlich vor dem grünen Rund mit den Gänseblümchen. Die Maße vom „Rasenkreis“ sind: 13,5 Meter im Durchschnitt außen und 10,30 innen. Die Ränder sind 25 Zentimeter hoch. Richard Long verlegt sein Atelier in die Natur, schafft sein Werk in die Rasenfläche hinein wie eine Bodenwelle. Im Garten von Haus Lange, findet 1969 seine erste museale Ausstellung statt.

Im Skulpturengarten hinter den Häusern Lange und Esters gibt es Werke von: Claes Oldenburg, Lawrence Weiner, Thomas Schütte, Ulrich Rückriem, Richard Serra, Andrea Zittel, Ludger Gerdes, Richard Long, Michael Craig-Martin, Berto Lardera und David Rabinowitch.

Der geschenkte Stadtwald

Der Stadtwald gehört wohl zu den schönsten Geschenken an die Stadt. 120 Hektar bieten viel Platz für Freizeitaktivitäten. (c) Andreas Bischof
Der Stadtwald gehört wohl zu den schönsten Geschenken an die Stadt. 120 Hektar bieten viel Platz für Freizeitaktivitäten.

Vor mehr als 100 Jahren war Krefeld vom Attribut „Grüne Stadt“ meilenweit entfernt. Ob sie sich wohl auch dorthin entwickelt hätte, wenn der großzügige Mäzen Wilhelm Deuß nicht auf die Idee gekommen wäre, den Bürgern in zwei Etappen jede Menge Grün zu schenken? Ohne ihn wäre der Stadtwald so schnell auf jeden Fall nicht entstanden. 
1897, an seinem 70. Geburtstag, machte Deuß den Krefeldern das erste großzügige Präsent: Ein 35 Hektar großes Grundstück und 20.000 Mark. Seine Auflage an die Stadtväter war es, dort sofort einen Stadtwald zu planen. Er entstand unter Anleitung des Düsseldorfer Gartenarchitekten Fritz Rosorius im Stil eines englischen Landschaftsgartens. Zehn Jahre später, im Oktober 1907, ergänzte Deuß seine Schenkung um weitere 50.000 Mark, die dem Ankauf einer Erweiterungsfläche dienten.

Mittlerweile ist der Stadtwald auf eine stattliche Größe von 120 Hektar angewachsen und nicht nur Bäume und Sträucher haben dort Wurzeln geschlagen, sondern auch viele Krefelder. An sonnigen Tagen bevölkern sie Wiesen, Wege und Spielplatz, fahren Bötchen auf dem Stadtwaldweiher oder besuchen Rennbahn, Tennisanlagen, Golfplatz oder Stadtwaldhaus. Letzteres musste kurze Zeit nach seiner Einweihung schon erweitert werden und war damals zuerst als Waldschänke konzipiert. Heute gibt es dort den tollen Biergarten.

Apropos Denkmal: Die Krefelder Stadtväter ließen am Rand des Stadtwaldweihers einen sechs Meter hohen Rundtempel errichten, dessen Innenwand ein Bronzebildnis mit der Inschrift „Wilhelm Deuß 1827-1911“ trägt und inmitten des Grüns an den großzügigen Sohn der Stadt erinnern soll. 

Der Botanische Garten

Der Botanische Garten in Oppum ist das ganze Jahr über einen Besuch wert. (c) Andreas Bischof
Der Botanische Garten in Oppum ist das ganze Jahr über einen Besuch wert.

Der Besuch im Botanischen Garten ist nicht einfach ein Spaziergang durch einen Park. Es ist ein Besuch für alle Sinne. Im Sommer leuchten Stauden und Sommerblüten um die Wette, an jeder Ecke weht ein neuer Duft in die Nase, es summt und brummt.

Pflanzenliebhaber prüfen ihr Wissen ab, Hobbyfotografen nehmen farbenprächtige Stauden ins Visier. Wieder andere suchen und finden Anregungen für den heimischen Garten. Die wunderbare rote Dahlie? Oder doch lieber die violette? Der Name wird notiert und schon bald wird die Dahlie wohl im heimischen Garten Einzug halten. Ein Idyll mitten in der Stadt, das zu jeder Jahreszeit einen Besuch lohnt. Immer andere Pflanzen blühen, immer andere Farben herrschen vor.

Das Grün liegt am Rand des Schönwasserparks in Oppum. Bereits 1928 entwickelte es sich aus einem kleinen Schulgarten heraus. Mit rund 5000 Pflanzenarten aus aller Welt ist der Botanische Garten eine abwechslungsreiche Grünanlage und ein schönes Naherholungsziel. Europäische, amerikanische und asiatische Laubgehölze und Nadelbäume bilden den äußeren Rahmen der 3,6 Hektar großen Gartenanlage.

Öffnungszeiten Botanischer Garten

Vom 1. November bis 15. März gelten die Winteröffnungszeiten. Montags bis donnerstags von 9 bis 15 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr. Vom 15. März bis 31. Oktober täglich von 8 bis 18 Uhr.


www.kbk-krefeld.de/botanischer-garten

Hülser Berg

Wer den 63 Meter hohen Hülser Berg besteigt, hat geologische Geschichte unter den Füßen. Denn die Erhebung verdankt ihre Entstehung der Eiszeit. Das Geröll, das die Gletscher von Skandinavien kommend vor und unter sich her- und mitschoben, türmte sie auf. Viele Besucher wissen das. Jetzt können sie sogar sehen, worauf sie wandern. Der restaurierte und frisch eingeweihte Gesteinsgarten gibt Auskunft, was alles in der Erde liegt. Er zeigt ganz besondere Exemplare und erklärt auf Infotafeln, was es mit ihnen auf sich hat.

Da ist beispielsweise der rote Granit, der auch aus Skandinavien herangeschoben wurde, und der über eine Milliarde Jahre alt ist. Der Quarzit hat helle Adern und ist mit seinen etwa 400 Millionen Jahren relativ jung. Daneben liegt ein Milch-Quarz, der nur aus Ader besteht. An seinem Rand ist noch ein wenig Stein zu sehen. Die Sandsteine sind dagegen aus versteinertem Meeres- oder Flusssand.

Klärwerk

Am Uerdinger Rundweg liegt das historische Klärwerk. Dort werden Führungen und Veranstaltungen angeboten. (c) Andreas Bischof
Am Uerdinger Rundweg liegt das historische Klärwerk. Dort werden Führungen und Veranstaltungen angeboten.

Die 1909 erbaute alte Kläranlage in Krefeld stellte damals den Abschluss der modernen Stadtentwässerung dar. Heute ist sie ein Industriedenkmal, ein Palast der Industriekultur, der bei Führungen und Veranstaltungen erlebt werden kann.

Der „Verein zum Erhalt des historischen Klärwerks in Krefeld Uerdingen“ bemüht sich um die wissenschaftliche Erforschung des Klärwerks und den damit zusammenhängenden und durch die Kanalisation angeschlossenen Siedlungen- und Industrieunternehmen. Wichtigstes Ziel ist der Erhalt einer der ältesten überlieferten Kläranlagen weltweit. Sie liegt am Uerdinger Rundweg.