In der Satiresendung „Mitternachtsspitzen“ sind Wildschwein Torsten und Hausschwein Steffi eine feste Größe, zwei Handpuppen, die sich über jedes Thema verkrachen.
Umso verwunderlicher war kürzlich Torstens Frage ausnahmsweise kein Grund für eine widerborstige Antwort: „Steffi, alles ok?“ Steffi antwortete zugewandt, respektvoll, Torsten schöpfte Verdacht: Ob hinter Steffi eine Künstliche Intelligenz steckt? Steffi verstand Torstens Vorbehalte und bot an: „Soll ich eine Tabelle mit den Gründen aufstellen, warum Menschen Angst vor der KI haben?“
Am Ende stritten die beiden, wie immer, natürlich doch. Bis hierhin aber hatten sie viele abgeholt, die KI ohnehin für eine große Schweinerei halten: Arbeitsplätze vernichtet, Kinder verdummt, Zwischenmenschliches beschränkt.
Dass die Technologie viele Lebensbereiche verändert, ist nicht von der Hand zu weisen. Ein „Pro“ oder „Kontra“ liegt jedoch gefährlich nah an Sätzen wie diesem, dem letzten deutschen Kaiser zugeschrieben: „Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung, ich glaube an das Pferd.“ KI geht nicht mehr weg. Sie zu ignorieren, überlässt anderen die Macht über sie. Ihre Nutzung ermöglicht, einem KI-Modell bessere Inhalte zu entlocken, andere Bilder vom Menschen als weißhäutig, ihre Antworten ethisch einzuordnen und diese Trainingsdaten zurückzuspielen.
KI verändert die Arbeitswelt. Aktuell unterstützt sie Unternehmen dabei, Fachwissen der Generation zu sichern, die durch den Ruhestand in Handwerk und Büro Lücken hinterlässt.
Sprachmodelle sind in die Schule eingezogen. Wer unterrichtet, vermittelt bewusst: „Setzt KI ein, prüft, wie faktenbasiert die Ergebnisse sind, wie zuverlässig die Quellenangaben, wie überzeugend die Argumente.“ Ein Modell fürs Leben, kritisch mit Behauptungen umzugehen.
Im Oktober findet in Stanford ein „Agentathon“ statt. Ein KI-System soll dazu gebracht werden, einen wissenschaftlichen Ansatz zu finden, und alleiniger Autor für den Fachaufsatz dazu sein. Der Kongress fördert, sich über Arbeitsschritte auszutauschen, ethische Gefahren von KI zu identifizieren, die Tabelle der Kritikpunkte weiterzuschreiben. „Wir werden die KI-Revolution nicht aufhalten können, deswegen sollten wir sie umarmen und mitgestalten“, wie der Journalist Jan Philipp Burgard sagt, und sie dadurch kritisch verbessern.