„Kinder helfen Kindern“ – das ist seit 175 Jahren der Leitgedanke des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“. Bei der jährlichen Sternsingeraktion machen sich tausende Mädchen und Jungen um den Dreikönigstag auf den Weg, um Segen zu den Menschen zu bringen und Spenden zu sammeln. Für einige geht es dabei auch bis in die Hauptstadt Berlin.
So wie für Marie Oemmelen (14), Enrica Schütte (15), Florentine Schoers (15) und Charlotte Schroers (17) aus der Gemeinde St. Lambertus in Nettetal-Leuth. Sie wurden für einen Besuch im Bundeskanzleramt in Berlin ausgelost. „So richtig realisieren konnten wir das nicht, aber ich habe mich schon gefreut“, erzählt Enrica.
Die vier sind in Leuth nicht nur als Sternsingerinnen unterwegs, sie sind ebenfalls als Messdienerinnen aktiv. „Sternsingen ist bei uns in der Gemeinde deckungsgleich mit den Messdienern“, erklärt Andrea Thelen. Sie engagiert sich ehrenamtlich in der Betreuung der rund 33 Messdiener in Leuth. Das beginnt nach der Erstkommunion mit neun Jahren. Ab 14 Jahren gibt es die Möglichkeit, in die Leitergruppe zu gehen und für die jüngeren Messdiener mitzugestalten, Ausflüge oder die Weihnachtsfeier zu organisieren.
„Seit 2008 machen wir das so“, erzählt Andrea Thelen. Für den Empfang im Bundeskanzleramt hätte sich die Gruppe schon öfter beworben, doch geklappt hatte es bislang nie. Die Hoffnungen bei der diesjährigen Bewerbung waren nicht allzu groß. Als die E-Mail des Kindermissionswerkes kam, rechnete Andrea Thelen mit einer erneuten Absage - und war überrascht als es hieß: „Herzlichen Glückwunsch, ihr fahrt nach Berlin.“
Dort erlebten sie zwei intensive Tage. „Wir sind extra früh gefahren, weil wir noch etwas von Berlin sehen wollten„, erzählt Florentine. „Auf der Fahrt nach Hause waren wir dann, als alles vorbei war, entsprechend platt.“ Enrica ergänzt: „Am nächsten Tag hatten wir direkt wieder Schule. Das war schon anstrengend.“ Auf dem Besichtigungsprogramm standen das Brandenburger Tor und der Reichstag. „Wir waren auf der Reichstagskuppel, als gerade die Sonne unterging, das war beeindruckend“, erzählt Enrica.
Beeindruckt waren die vier auch vom Rahmenprogramm rund um den Empfang im Bundeskanzleramt. Alle 108 Sternsingerinnen und Sternsinger trafen sich am Abend zu einer kleinen Probe und gemeinsamem Singen. „Es gab eine kleine Frage-und-Antwort-Runde dazu, was wir mit dem Sternsingen verbinden“, erzählt Charlotte. Beeindruckt hat sie:„ Alle haben zugehört, keiner hat gestört.“
Beeindruckt waren die Leutherinnen auch vom Empfang im Bundeskanzleramt. Auch, wenn sich Bundeskanzler Friedrich Merz vom Kanzleramtsminister Thorsten Frei vertreten lassen musste. „Wir hätten Herrn Merz schon gerne kennengelernt, aber Herr Frei war auch sehr nett“, findet Florentine. Er sei selbst einige Jahre als Sternsinger unterwegs gewesen, erzählte der Minister den Sternsingern und dankte ihnen dafür, „dass ihr diesen Dienst tut für andere Kinder in der Welt.“
Ihren Dienst als Sternsinger versehen Marie, Enrica, Florentine und Charlotte schon lange. „Es ist schön, für den guten Zweck unterwegs zu sein und zu sehen, dass sich die Menschen auf uns freuen. Wir werden zum Teil schon erwartet“, erzählt Charlotte. Daneben versehen alle vier Mädchen auch schon länger den Dienst am Altar. Am Anfang steht dabei ein besonderes Erlebnis: „Wir laden alle Kinder nach der Erstkommunion ein, Messdiener zu werden. Und beim ersten Treffen gehen wir ein Eis essen,“ erzählt Andrea Thelen. Doch es ist nicht nur das Eis, was die Kinder und Jugendlichen begeistert: „Es ist ein schönes Gefühl, am Altar zu stehen. Wir merken, das wird wertgeschätzt“, berichtet Florentine.
Die Gemeinde umfasst 1800 Menschen, dafür ist die Zahl der Messdiener mit 33 aktiven schon beeindruckend. „Es hören immer wieder ältere auf, dafür kommen neue nach. 2025 haben wir fünf neue Messdiener eingeführt“, erzählt Andrea Thelen. Als sie 2008 anfing, sich zu engagieren, gab es ein Problem: „Ich bekam einen Anruf, dass wir keine Sternsinger hätten. Also haben wir das in einer Telefonaktion organisiert.“ Seitdem betreut sie die Messdiener und Sternsinger, auch ihre eigenen Kinder: „So kann es funktionieren, wenn Eltern ihre Kinder ein Stück begleiten.“ Es funktioniere auch so gut, weil Leuth eine kleine Gemeinde ist. „Mir hat Berlin gezeigt: Kirche hat immer noch einen Platz in unserer Gesellschaft, gerade auch bei den jüngeren Menschen.“
Anfang des Jahres haben alle Nettetaler Gemeinden in Lobberich die Entstehung der neuen Pfarrei Heilige Mutter Teresa im Pastoralen Raum Nettetal/Grefrath gefeiert. Und auch, wenn Andrea Thelen sieht, dass solche Fusionen notwendig sind, würde sie sich mehr Präsenz von Hauptamtlichen in den Gemeinden vor Ort wünschen, um die Ehrenamtlichen mehr zu unterstützen.
Auch, wenn für alle der Alltag längst wieder eingekehrt ist: Berlin wird ihnen noch lange in Erinnerung bleiben.