Besondere Unterstützung

Bei der Caritas in Monschau startet eine Gruppe für Kinder, deren Eltern an einer psychischen Erkrankung leiden.

Was ist bloß mit Papa los?  Kinder haben feine Antennen. (c) VItaly Gariev/unsplash.com
Was ist bloß mit Papa los? Kinder haben feine Antennen.
Datum:
2. Juni 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 12/2026 | Stephan Johnen

Zwischen drei und vier Millionen Kinder wachsen in Deutschland mit mindestens einem psychisch erkrankten Elternteil auf. Viele Eltern geraten durch die Belastung ihrer Erkrankung in Schwierigkeiten: Sie verlieren ihren Job, ihren Partner oder ihr soziales Umfeld. 

„Psychische Erkrankungen sind aber nach wie vor ein Tabuthema“, sagt die Psychologin und Systemische Beraterin Jennifer Cröll. Häufig verschweigen Betroffene ihre Krankheit vor Arbeitskollegen, Nachbarn und manchmal auch vor der eigenen Familie.

„In dieser herausfordernden Situation benötigen sowohl die Eltern als auch die Kinder besondere Unterstützung. Die Kinder selbst wissen oft nicht, dass das Verhalten ihrer Eltern durch eine Erkrankung beeinflusst wird. Sie spüren jedoch, dass etwas anders ist“, erklärt die Expertin. Um betroffene Familien zu unterstützen, startet die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Caritas in Monschau eine kostenlose Gruppe für Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren, deren Eltern an einer psychischen Erkrankung oder starker seelischer Belastung leiden. Träger ist der Verein zur Förderung der Caritasarbeit im Bistum Aachen. Die Gruppe beginnt im September und findet an 14 Montagnachmittagen von 15 bis 17 unter Leitung von Jennifer Cröll statt.

„Wir reden in der Gesellschaft mittlerweile mehr über  psychische Erkrankungen. Solange wir nicht selbst betroffen sind,
„Wir reden in der Gesellschaft mittlerweile mehr über psychische Erkrankungen. Solange wir nicht selbst betroffen sind," sagt Jennifer Cröll.

„Kinder haben sehr feine Antennen. Sie bemerken, dass es ihren Eltern oder einem Elternteil nicht gut geht – verstehen aber oft nicht, warum dies so ist“, erklärt die Psychologin. Oft möchten Eltern aber ihre Kinder dadurch schonen, dass sie nicht erklären, dass es sich um eine psychische Erkrankung handelt. „Die Kinder merken es dennoch und machen sich eigene Gedanken. Sie fragen sich, ob sie selbst etwas falsch gemacht haben, ob sie etwas hätten besser machen können“, führt Jennifer Cröll aus. In dieser Situation übernehmen Kinder und Jugendliche sehr viel Verantwortung, auch Elternaufgaben, um die Eltern zu entlasten. Was wiederum für ihre eigene psychische Gesundheit Folgen haben kann, weil sie die eigenen Bedürfnisse vernachlässigen. Jennifer Cröll: „Wenn wir unsere Kinder schützen möchten, sollten wir offen mit ihnen sprechen, ihnen die Erkrankung erklären. So können sie die Veränderungen viel besser verstehen, das nimmt Verantwortung weg.“

In der Gruppe können die Kinder über die Erkrankung ihrer Eltern sprechen, andere Kinder in ähnlicher Situation kennenlernen und in einem kindgerechten Raum spielerisch, erlebnis- und ressourcenorientiert ihre Gedanken, Gefühle und Ängste ausdrücken.
Lange Zeit standen die Bedürfnisse der Kinder im Hintergrund, während sich die Behandlung auf die erkrankten Erwachsenen konzentrierte. In Familie, Kindergarten oder Schule wird das Thema psychische Erkrankung oft vermieden, vermeintlich, um die Kinder nicht zu beunruhigen. Heute ist aus der Resilienzforschung bekannt: Ein kindgerechtes Wissen über die Erkrankung und deren Behandlung hilft den Kindern, das Verhalten ihrer Eltern besser zu verstehen und einzuordnen.

Ein wichtiger Schutzfaktor ist zudem, dass Kinder ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und ernst nehmen. In der Gruppe wird den Kindern vermittelt, dass sie nicht Schuld an der Erkrankung ihrer Eltern sind und diese auch nicht durch ihre Fürsorge „heilen“ können. Gleichzeitig werden die Ressourcen innerhalb der Familie gestärkt. Denn neben den Herausforderungen gibt es auch schöne Momente mit Eltern, Geschwistern, Nachbarn und Freunden, die Kinder stabilisieren können.

Der erste Schritt vor dem Gruppenstart ist ein unverbindliches Vorgespräch mit den interessierten Eltern. Dabei können Fragen und Unsicherheiten geklärt werden. Erst danach wird gemeinsam entschieden, ob das Gruppenangebot für das Kind passend ist. Für das Bringen und Abholen der Kinder wird ein Fahrdienst angeboten. Interessierte Eltern aus dem Einzugsgebiet Monschau, Simmerath und Roetgen können sich ab sofort bei der Beratungsstelle telefonisch unter 02472/804515 oder per E-Mail an eb-monschau@eb-caritas.de melden. Darüber hinaus bietet die Beratungsstelle auf Wunsch auch Familienberatung für betroffene Eltern und ihre Kinder an.