Begegnungen an der Krippe

Zwei Ausstellungen von „Weltweit am Dom“ laden zum Streifzug durch die Weihnachtsgeschichte ein

Farbenfroh und opulent verziert: die lebensgroße Kunstkrippe der  Familie Mendevil aus Peru. (c) Thomas Bürgerhausen
Farbenfroh und opulent verziert: die lebensgroße Kunstkrippe der Familie Mendevil aus Peru.
26. Nov 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 48/2019 | Andrea Thomas

„Krippendarstellungen lösen etwas in Menschen aus. Vor der Krippe sind wir alle gleich“, versucht Thomas Bürgerhausen von „Weltweit am Dom“ zu beschreiben, was sie so anziehend macht. Vielleicht ist es die Erinnerung an die eigene Kindheit, vielleicht, dass da etwas eigentlich Unbegreifliches greifbar wird: Gott ist Mensch geworden.

Zum in diesem Jahr 25. Mal zeigt „Weltweit am Dom“, der kirchliche Weltladen der Aachener Hilfswerke Missio und Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und des Bistums Aachen, in der Vorweihnachtszeit Krippen der einen Welt. Mit wachsendem Zuspruch und Interesse, wie Leiter Thomas Bürgerhausen feststellt. „Für viele Besucher ist unsere Ausstellung inzwischen eine feste Größe wie der Aachener Weihnachtsmarkt auch.“ Der findet in direkter Nachbarschaft des Ladens statt, und so mancher wird so sicherlich auch eher zufällig den Weg hinein und zu den Krippen finden. Doch die meisten Besucher kämen ganz bewusst. „Das sind Sammler, aber auch Familien mit Kindern, für die das ein fester Punkt in der Weihnachtsvorbereitung ist.“ 

Meist seien das echte Begegnungen mit den Krippen – und darüber auch mit den Künstlern, ihrem Heimatland und ihrem Leben dort. Denn die klassische Heimatkrippe findet man hier nicht, stattdessen einen kulturellen und künstlerischen Streifzug durch Krippendarstellungen aus Afrika, Asien, Ozeanien und Latein- und Südamerika. Jede Krippe erzählt etwas über die (Weihnachts-)Traditionen und den Alltag der Menschen des Landes, aus dem sie kommt, über dort typische Materialien und die ganz eigene Sicht des jeweiligen Künstlers auf die Geburt des Herrn. „Besonders schön ist immer, wenn ein Projekt vor Ort dahintersteckt“, erklärt Thomas Bürgerhausen. Wie „Hands of hope“, ein Projekt mit Menschen mit Behinderung aus Thailand, in dem Krippen aus dem Papier des Maulbeerbaums entstehen.

Da alle bei „Weltweit“ gezeigten Krippen auch zu kaufen sind, wandelt sich die Ausstellung außerdem im Laufe des Advents immer wieder. Spannend für die Besucher und das ehrenamtliche Ladenteam, das die Krippenausstellung stets mit viel Freude begleite, wie ihr Chef erklärt.

 

Besondere Exponate

In diesem Jahr hat Thomas Bürgerhausen eine weitere Ausstellung unter dem Titel „Seele im Stein“ organisiert. Anlass sind der 20. „Aachener Krippenweg“, sowie der im Januar in Aachen und der Euregio stattfindende Weltkrippenkongress. In der Glashalle an der Aachener Annastraße werden bis Dreikönige und noch einmal zum Kongress Steinkrippen der Shona-Kunst aus Simbabwe sowie weitere seltene Krippen aus Lateinamerika gezeigt. Shona-Kunst, das sind handgearbeitete Steinskulpturen, in die die individuelle Ausdrucksweise des Künstlers, traditionelle Mythologie und ein besonderer Ausdruck menschlicher Gefühle einfließen. Das sorgt dafür, das sie, obwohl aus kaltem Stein, eine ganz eigene Wärme ausstrahlen. Besonders spürbar wird dies in den Krippen. „Sie ganz schlicht, reduziert auf das Wesentliche, die Darstellung der Heiligen Familie“, beschreibt Thomas Bürgerhausen. Darin liege jedoch ganz viel, so dass sich der Betrachter tief berührt fühle. Die Exponate, die in Aachen zu sehen sind, stammen alle aus der Privatsammlung von Hans-Dieter Huebert aus Niederkrüchten. Der hatte die Kunst und die Künstler in den 70er Jahren kennengelernt, als er als Pilot in Simbabwe war. Er hat die Künstler unterstützt und ihnen so geholfen, sich und ihre Kunst weiterzuentwickeln. Viele von ihnen seien inzwischen renommierte Künstler.

Im Kontrast zu den schlichten Steinkrippen stehen die opulenten Kunstkrippen aus Lateinamerika. Sie strahlen vor Lebensfreude, sind farbenfroh und voller Verzierungen und kleiner Details. „Ganz so, wie die Menschen hier auch Weihnachten feiern“, sagt Thomas Bürgerhausen. Hier finden sich dann, unter anderem in den gezeigten Retablos, auch Tiere und Landschaften. „Schmuckstück“ der Sammlung, die aus dem Benediktinerkloster Münsterschwarzach stammt, ist eine Krippe der Künstlerfamilie Mendevil aus Peru mit lebensgroßen Figuren, von der es weltweit nur vier bis fünf Exemplare gibt. Die Figuren sind aus einer Masse, die aus Mais-, Kartoffel- und Gipsmehl besteht, geformt. Auffällig sind hierbei, neben den Farben und Verzierungen, die für diesen Stil typischen langen Hälse der Figuren.  

 

Die Krippe schenkt Wärme

Einen anderen Blick auf das Krippengeschehen will auch der „Aachener Krippenweg“ vermitteln. An 40 Orten im Stadtgebiet – darunter Kirchen, Klöstern, das Rathaus und der „Weltweit am Dom“-Laden – und erstmalig auch über die Grenze hinweg in den Niederlanden und Belgien, laden Krippen ein, entdeckt zu werden (www.aachener-krippenweg.de).  Das diesjährige Jahresmotiv, ein Aquarell der Künstlerin Gine Weber, zeigt die Heilige Familie einmal anders. Vor einem Wohncontainer ist eine (Flüchtlings-)Familie mit Baby zu sehen, umgeben von Menschen, die wie sie am Rande der Gesellschaft stehen, aber dennoch ihre bescheidenen Gaben vorbeibringen.

Ein starkes Motiv, meint Thomas Bürgerhausen. „Seit vier Jahren haben wir im Rahmen des Krippenwegs eine Partnerschaft mit der Bahnhofsmission, wo eine unserer Krippen steht. Eine wunderbare Möglichkeit, Menschen zu erreichen, die anders unterwegs sind.“ Menschen, die auf der Durchreise sind, aber vor allem auch solche, die in unserer Gesellschaft beiseite geschoben werden. Sie holen sich hier ein Stück Wärme ab, ganz praktisch, aber auch menschlich. Da gebe es immer wieder rührende Momente und Begegnungen an der Krippe. „Es ist wärmer in der Bahnhofsmission, wenn die Krippe da ist“, hat es eine Besucherin beschrieben.

Ausstellung im „Weltweit  am Dom“: bis 21. Januar,  montags bis samstags und an den Adventssonntagen 10–18 Uhr.  Sonderausstellung „Seele im Stein“, Annastr. 14–16: bis 6. Januar freitags 15–19 Uhr, Wochenende 12–18 Uhr, sowie zum Krippenkongress (15.–20. Januar) nach Vereinbarung. Der Eintritt ist jeweils frei. www.weltweit-am-dom.de

Krippen der Einen Welt

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