An der Kante

Miteinander gegeneinander? Diözesanrat der Katholik*innen lädt ein zu einem Theaterstück gegen die politische Sprachlosigkeit

Schauspieler Tim Adam ließ verschiedene Seiten im Konflikt um die Braunkohle zu Wort kommen. Ohne Gebrüll, ohne Vorverurteilung. (c) Stephan Johnen
Schauspieler Tim Adam ließ verschiedene Seiten im Konflikt um die Braunkohle zu Wort kommen. Ohne Gebrüll, ohne Vorverurteilung.
Datum:
24. März 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 07/2026 | Stephan Johnen

 Nach gut einer Stunde fällt ein Satz, der nachklingt: „Unser System lebt davon, dass sich Leute einbringen – nicht zerstören.“ Doch wie ist es um unsere Fähigkeit bestellt, einander respektvoll zuzuhören, Argumente abzuwägen, andere Meinungen zuzulassen und auch mal aus einer anderen Perspektive auf das (Streit-)Thema zu schauen? Kurzum: Womit erreichen wir unsere Ziele und womit drücken wir einfach nur unseren Frust aus? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Theaterperformance „An der Kante“ in der Dürener Marienkirche.

Der Diözesanrat der Katholik*innen und der Dürener Katholikenrat hatten zu diesem politischen Blinddate eingeladen, Kooperationspartner waren das Institut für Soziologie und das Institut für politische Wissenschaft der RWTH Aachen sowie das „MörgensLab“ des Theater Aachen.

Regisseurin Inge Zeppenfeld erklärte die Funktionsweise des „Testimonial Labs“. (c) Stephan Johnen
Regisseurin Inge Zeppenfeld erklärte die Funktionsweise des „Testimonial Labs“.

Rund um die Tagebaue im Rheinischen Revier gab und gibt es viel Streit, aber hörten/hören sich die Streitenden wirklich zu? Schauspieler Tim Adam ließ verschiedene Seiten mit ihren Argumenten und Perspektiven zu Wort kommen. Es war keine Fiktion, vielmehr gab Adam Gedanken und Emotionen Ausdruck, die sowohl „Umweltaktivisten“/Teilnehmer an Protestveranstaltungen sowie RWE-Mitarbeitende bei wissenschaftlich begleiteten Interviews geäußert haben.

Das Ergebnis war mitunter emotional berührend, zeitweise beängstigend – und dennoch vermochte die Performance auch Hoffnung zu stiften. Denn auch wenn ein Zusammensitzen an einem gemeinsamen Tisch offenbar zu Beginn kaum möglich schien, sind sich viele Aussagen, Ängste und auch Hoffnungen ähnlich, es gibt Schnittmengen, es gibt Anknüpfungspunkte für den Meinungsaustausch – wenn denn ein Zuhören und  das Miteinander-reden zugelassen werden.

Das Hintergrundrauschen der Empörung, Vorverurteilungen und die Geräuschkulisse des Zorns fehlte und ermöglichte eine Fokussierung auf die Beweggründe, Gedanken und auch (Zukunfts-)Ängste der einzelnen Menschen. Der Kerngedanke: Voneinander zu hören und die Gefühle zu erleben, kann das gegenseitige Verständnis und ein besseres Zusammenleben fördern.

„‚An der Kante‘ lässt sich als Beispiel auf andere Konflikte und Spannungen übertragen, wo Dialog und respektvoller Austausch wieder gelingen müssen“, erklärte Heribert Rychert, Vorsitzender des Diözesanrats.