Am Anfang: St. Bonifatius

Erst seit zehn Monaten ist die Kirche in Hückelhoven-Schaufenberg eine Grabeskirche: eine erste Bilanz

Die Farbe des Kupfers gibt dem Kirchenraum eine trostspendende Wärme. (c) Garnet Manecke
Die Farbe des Kupfers gibt dem Kirchenraum eine trostspendende Wärme.
15. Okt 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 42/2019 | Garnet Manecke

Im Januar dieses Jahres wurde die Grabeskirche St. Bonifatius Schafhausen eröffnet. Sie ist die erste in der Region Heinsberg.  Als Pfarrkirche bleibt sie der katholischen Pfarrgemeinde weiter erhalten, weil die Sakra­mentskapelle und der Altarraum nie entwidmet worden sind. Gemeindereferentin Brigitta Schelthoff zieht eine Bilanz der ersten Monate.

Wenn man den runden Kirchenraum von St. Bonifatius betritt, empfangen einen die beiden halbrunden kupfernen Wände, hinter denen sich die Urnenfächer verbergen. Es sieht fast so aus, als wollte der Raum einen umarmen. Die Farbe des Kupfers gibt dem Raum Wärme und spendet Trost. Hinter den Wänden fällt bei Sonnenschein das Licht durch die bunten Glasscheiben und zeichnet Muster auf den Boden.

Zehn Monate ist es her, dass die umgebaute Grabeskirche eröffnet wurde. Bisher haben elf Beisetzungen stattgefunden, 32 der Urnengräber sind reserviert. „Die Beisetzung in einer Grabeskirche ist in der Region eine neue Bestattungsform“, sagt Brigitta Schelthoff. „Es ist noch nicht in den Köpfen, dass wir in der Kirche beisetzen.“ Dabei kommt die Kirche mit ihrem neuen Erscheinungsbild optisch schon gut an bei den Menschen in und um Hückelhoven. „Jeden letzten Sonntag findet hier ein Gedenkgottesdienst für alle Verstorbenen statt. Der wird sehr gut angenommen“, sagt Schelthoff. Auch das Angebot der Trauerpastoral an persönlichen Gesprächen findet großen Zuspruch. „Für uns wird die Zeit arbeiten“, ist Schelthoff überzeugt. „Ein Argument für diese Kirche als letzte Ruhestätte ist für viele offenbar das Ewigkeitsgrab. Dort werden nach der Ruhefrist die Kapseln mit der Asche beigesetzt.“

Auch der Gottesdienst für die Verstorbenen habe Anlaufschwierigkeiten gehabt, aber nun  kämen auch Hinterbliebene, deren Angehörige schon länger verstorben seien. Mit einem schönen Füller, den Schelthoff bereitlegt, können sie in dem „Buch des  Lebens“ den Namen ihrer Verstorbenen eintragen. Auch die ganz normalen Gottesdienste seien sehr gut besucht. „Samstags ist der ganze obere Teil der Kirche voll.“

In den ersten Monaten musste sich vieles finden, das Team ist noch in der „Experimentierphase“. Für die Beisetzungen mussten zum Beispiel würdige Rituale gefunden werden. „Wir können hier ja nicht ein Kreuz über die Grabstätte halten und wegen des Kupfers kein Weihwasser nutzen“, sagt die Gemeindereferentin. Es müssen andere Rituale für den Abschied gefunden werden.  Manches Angebot wird sehr gut angenommen, anderes eher nicht. Trauergesprächskreise, zu denen Schelthoff eingeladen hat, sind kaum angenommen worden. „In der Gruppe haben sich die Teilnehmer nicht so geöffnet“, sagt sie. „Aber die Einzelgespräche werden sehr gut angenommen. Ich mache dafür oft Hausbesuche.“ Dass so viele Menschen anrufen und um ein Gespräch bitten, hat sie überrascht. „Dass die Trauerseelsorge so gut angenommen wird, freut mich sehr“, sagt sie. Für die Adventszeit plant das Seelsorgeteam mit Zeiten der Stille ein neues Angebot. 

Das Vorbild St. Elisabeth

Von außen blieb St. Elisabeth unverändert. (c) Grabeskirche St. Elisabeth

Zehn Jahre ist es her, dass die erste Grabeskirche in Mönchengladbach, St. Elisabeth in Eicken, am 1. November 2009 eingeweiht wurde. Die Pläne wurden kritisch beobachtet, die Zweifel waren vor der Umbauphase groß. Heute ist klar: Die älteste Grabeskirche in der Region Heinsberg und Mönchengladbach ist ein Erfolgsmodell und ein Gewinn für die Gemeinde.

Der Schmerz in der Gemeinde war groß als klar wurde, dass St. Elisabeth als Pfarrkirche nicht mehr zu halten war. Sinkende Katholikenzahlen hatten dazu geführt, dass in allen GdGs im Bistum die Gemeindegremien überlegen mussten, welche Immobilien sie noch brauchten. Das Bistum kürzte seine Zuschüsse für  Immobilien. Auch die Kirchengebäude waren davon betroffen. 

 

Im Mai 2009 begann der Umbau, fünf  Monate später wurde die Kirche eingeweiht

Aber Aufgeben kam für die Verantwortlichen von St. Elisabeth nicht infrage. Weitere Nutzungsmöglichkeiten und Modelle  wurden diskutiert – durchaus auch kontrovers. Schließlich bildete sich 2007 der Plan zum Umbau in eine Grabeskirche heraus. Die damals noch eigenständige Gemeinde St. Elisabeth nahm das finanzielle Risiko auf sich. Sie nahm ein hohes Darlehen auf und begann im Mai 2009 den Innenraum umzubauen. Fünf Monate später wurde die „neue“ Kirche vom damaligen Generalvikar Manfred von Holtum eingeweiht. Bereits während des Umbaus wurden 150 der 2000 Grabstellen verkauft.

Dass die Kirche kein trauriger Ort wurde, dass man hier Menschen traf, die sich gegenseitig stützen, dass man hier sogar lachen durfte, überzeugte und begeisterte die Gladbacher schnell. Schon 2014 wurde die Anzahl der Grabstellen um 1000 weitere in der Krypta ergänzt. Inzwischen sind 1600 Grabstellen verkauft. In Mönchengladbach gibt es mittlerweile vier Grabeskirchen. Dass St. Elisabeth in der Öffentlichkeit so gut angenommen wurde, dürfte ein Grund dafür sein. Das Konzept ist ein Vorbild für viele Gemeinden, die Grabeskirchen planen. Auch aus anderen Bistümern kommen Verantwortliche nach Eicken, um sich darüber zu informieren. Neben der Architektur ist vor allem die Trauerseelsorge an St. Elisabeth ein Erfolgsfaktor. Kern ist die Begleitung Trauernder in Gesprächen und beim Trauercafé. Dazu gibt es Workshops, Vorträge, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen und Lesungen, in denen Sterben, Tod und Trauer auf unterschiedliche Weise thematisiert werden. St. Elisabeth hat gezeigt, dass eine Grabeskirche ein Ort voller Leben ist.