Es ist sein letztes Buch. Julian Barnes, in Deutschland spätestens seit „Flauberts Papagei“ (1984) bekannt und gelesen, verabschiedet sich von seinem Publikum. Mit achtzig Jahren ist Schluss mit dem Schreiben.
Sein letztes Buch ist aber nicht nur selbst ein Abschied, es erzählt auch von Abschied(en): tatsächlichen und vermeintlichen, endgültigen und episodischen – und immer wieder auch von der Bedeutung der Erinnerung(en). Am Beispiel eines befreundeten Pärchens, das sich nach vierzig Jahren wieder trifft und jetzt endlich heiratet, sowie der eigenen Krebserkrankung macht Barnes erzählend und reflektierend deutlich: Es ist die Vergänglichkeit, die alles bedroht, die allem einen Wert gibt und die zu Rechenschaft über das eigene Leben zwingt. Im Weggehen zeigt sich erst das Bleibende, die Identität. Sein letztes Buch entfaltet diese „Poesie des Abschieds“ zwischen Gehen und Bleiben. Es ist beides zugleich: ein letztes Gespräch mit den Leser*innen und ein bleibendes Zeugnis seines Denkens und Schreibens.
Der Autor ist Leiter des Katechetischen Instituts des BIstums Aachen.
Julian Barnes: Abschied(e). Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. 239 S., 12,4 x 2,53 x 19,5 cm, Kiepenheuer & Witsch-Verlag, Köln 2026, 239 S., Preis: 23,00 €