Führender Bach-Exeget

Philippe Herrweghe spielte die Johannes-Passion neu ein

Johannes-Passion (c) PHI DDD
Di 10. Mär 2020
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 11/2020

Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion BWV 245 zählt unumstritten zu den großartigsten Vertonungen der Leidensgeschichte Jesu in der Musikhistorie.

 Für seine erste Passion als neuer Leipziger Thomaskantor zog Bach 1724 alle musikalischen und kompositorischen Register, so finden sich im Orchester auch ausgefallene Instrumente wie  die Oboe da caccia, zwei Viole d’amore und die Laute.  Von der Johannes-Passion gibt es allerdings keine endgültige Fassung. Vielmehr erfuhr sie zu Bachs Lebzeiten im Rahmen von Wiederaufnahmen gleich mehrere zum Teil grundlegende Umgestaltungen durch den Komponisten. Die heute meistens zur Aufführung gebrachte Version ist eine Mischung aus der unvollendeten Neufassung vom Ende der 1730er Jahre und der vierten Fassung von 1749 ohne die späteren Textänderungen in den Arien. Als einer der führenden Bach-Exegeten unserer Zeit bietet Philippe Herreweghe mit seiner jüngsten Einspielung einmal mehr einen durch jahrzehntelange Erfahrung gereiften, musikalisch perfekten und subtil ausgeleuchteten Bach, der dabei in gleichem Maß sowohl Kenner als auch Liebhaber unmittelbar anzusprechen weiß.  Das exzellent zusammengestellte Solistenensemble, darunter Maxilimilian Schmitt (Evangelist) und Krešimir Stražanac (Jesus) sowie die bewährten Kräfte des Collegium Vocale Gent machen die Einspielung zu einem Höhepunkt der umfangreichen Diskografie des Werks, den man nicht verpassen sollte. 

 

Herreweghe/Schmitt/Stražanac/ Mields/Collegium Vocale Gent u. a.:  Johann Sebastian Bach.  Johannes-Passion BWV 245,  2 CDs, 107’08 Min.,  PHI, DDD, 2019,  Preis bis 31. März 2020:  26,99 Euro, danach 29,99 Euro