Werte vorleben

Ein Standpunkt von Heike Eisenmenger

Heike Eisenmenger_Standpunkt (c) schroeter@skynet.be
Di 20. Sep 2016
Egal, ob wir von Rechtsradikalismus sprechen oder IS-Terrorismus: Junge Menschen, die beruflich keine Perspektive haben und sich zudem in einer schwierigen familiären Lage befinden, fallen in das Beuteschema der Verführer.

 Darum ist es wichtig, Heranwachsende möglichst früh aufzuklären, damit sie fähig sind, die leeren Phrasen der Anwerber als solche zu erkennen. Eine Veranstaltung allein reicht nicht.  In der Schule, im Verein, aber vor allem Zuhause muss über das Thema gesprochen werden.Der Leistungsdruck, der auf Jugendlichen lastet, ist enorm hoch. Die Werbung suggeriert ihnen, dass allein beruflicher Erfolg, Geld und gutes Aussehen zählen. Und wenn beim Millionendeal andere auf der Strecke bleiben und ganze Existenzen vernichtet werden, wird das als Kollateralschaden verbucht. Ausschlaggebend scheint offenbar allein zu sein, wie viel Geld das Geschäft am Ende des Tages eingebracht hat. Dass Menschen dabei zugrunde gehen und nur wenige von diesem Deal profitieren, ist längst Normalität. Kein Wunder, dass junge Menschen, die in einer solchen Gesellschaft aufwachsen, sich irgendwann verweigern. Die Anwerber mit ihren simplen Botschaften geben diesen Jugendlichen das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die nicht oberflächlich ist, die Werte hat. Geschickt weben die Verführer die Jugendlichen in ihr Netz ein, appellieren an ihr Ehrgefühl, für ihre neue Überzeugung einzustehen. Auch wir sollten für unsere Überzeugung einstehen und den Jugendlichen vorleben, dass Liebe, Freundschaft, Fairness wichtiger als der Kontostand sind.

Die Autorin ist als Journalistin und als Öffentlichkeitsarbeiterin in Stolberg tätig.