Vorbereitet sein

Ein Standpunkt von Dorothée Schenk

Dorothee Schenk
Di 20. Jun 2017
Erst das fettige Essen aufgeben, wenn das Übergewicht schon da ist, statt dauerhaft Maß zu halten!

Erst Sport treiben wenn das Herz schwächelt, statt kontinuierlich in Bewegung zu sein. Das sind nur zwei Beispiele für Verhaltensmuster, die wir allzu gut kennen. Reaktion statt Prävention ist halt bequemer – auf den ersten Blick. Gleiches gilt für die Psyche. Im Blick zu haben, welche Probleme und sogar Erkrankungen entstehen können, wenn der inzelne für seine Seelenhygiene zu wenig tut, ist sicher das schwierigste Unterfangen. Es erfordert Selbsterkenntnis, Erfahrung und Weitblick – einmal mehr wenn es sich um eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung handelt. Diese Vorzeichen gelten für die Vielzahl von Menschen unterschiedlicher Kulturkreise, die mit und in ihrer Not seit 2015 in Deutschland angekommen sind. Derzeit werden oft nur die akuten Probleme erfasst und angepackt. Welche Folgen Fluchtursachen, Fluchterlebnisse und auch das Misstrauen, dem Flüchtlinge an ihrem Zielort begegnen, an Leib und Seele haben, sind heute noch nicht absehbar. Sie werden uns aber in einigen Jahren beschäftigen, wenn die Menschen längst integriert sind. Davon ist Robert Bering, Chefarzt des Zentrums für Psychotraumatologie am Alexianer-Krankenhaus in Krefeld überzeugt. Der Grund: die Erfahrungen aus der Nachkriegszeit Deutschlands. Darum will er jetzt schon die Ärzteschaft und Kooperationspartner vorbereitet wissen. Vorbildlich und übertragbar ist dieser Ansatz in das Leben des Einzelnen. Das heißt: nicht so sehr im eigenen Mikrokosmos leben, sondern über den Tag hinaus sehen und – wenn man es biblisch betrachten möchte – vorbereitet sein, wie die fünf klugen Jungfrauen im Gleichnis.

Die Autorin ist freie Journalistin und Redakteurin der KirchenZeitung für das Bistum Aachen.