Schwieriges Erbe

Ein Standpunkt von Kathrin Albrecht

Di 20. Mär 2018
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 11/2018
Kathrin Albrecht (c) privat

Geschichte hinterlässt Spuren. Das trifft wohl besonders auf die Zeit des Nationalsozialismus zu, die ihre Schatten bis in unsere heutige Zeit wirft. Unbestritten: August Pieper hat zu Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts Großes geleistet. Seine Hinwendung zum Nationalsozialismus hat diesem Bild jedoch nachhaltig Schaden zugefügt. Die Bischöfliche Akademie des Bistums Aachen stellt sich diesen Erkenntnissen. Sie arbeitet auf, was es aktuell an Quellen und Forschungen zur Person August Pieper gibt. Sie führt den Diskurs offen und transparent. Es soll dabei keinen überstürzten Aktionismus geben, eine gute Aufarbeitung der Persönlichkeit August Piepers und seines Verhältnisses zum Nationalsozialismus stehen im Vordergrund. Dieser Umgang ist richtig. Doch die Frage steht allerdings im Raum, ob eine Einrichtung, die sich für den offenen Dialog von Christen und Nicht-Christen einsetzt, die insbesondere den jüdisch-christlichen Dialog fördert, weiterhin den Namen eines Mannes führen kann, der ein Regime unterstützte, das diesem Verständnis diametral entgegenstand, das Menschen in wertvoll und wertlos teilte, offen Vernichtungskriege gegen diese vermeintlich „minderen Rassen“ führte. August Pieper ist nicht die erste und wird auch nicht die letzte Persönlichkeit bleiben, der der Makel der NS-Vergangenheit anhaftet. Wie wir damit umgehen, ist entscheidend, gerade in Zeiten, in denen eine völkische Gesinnung, das Herunterspielen und gar Leugnen der NS-Gräuel wieder zunehmend salonfähig werden.