Schwachen helfen

Ein Standpunkt von Arne Schenk

Arne Schenk (c) Marcel Kanehl
Di 13. Jun 2017

Nicht der Stärkste überlebt, sondern derjenige, der sich am besten anpassen kann. Dies beschreibt Charles Darwins These „Survival of the fittest“. Die Erfolgsgeschichte des Menschen liegt darin, dass er vielschichtig ist und unterschiedliche Lösungsansätze hat. Solida- rität lautet ein gewinnbringendes Konzept. Wo Menschen zusammenhalten und füreinander einstehen, bleibt niemand außen vor, und jeder genießt früher oder später selbst Fürsorge und Nächstenliebe derjenigen, die mithelfen, die Last der anderen zu tragen. Caritas und Diakonie sind Bezeichnungen dafür. Je größer die Gruppe, die anderen hilft, desto größer die Gruppe, der geholfen werden kann. Der „Sozialdarwinismus“, den die Nazis mit Eugenik und Rassentheorie propagierten, widerspricht Darwin. Nur der Starke überlebt: Das funktioniert nur, wenn der Starke nicht schwach wird, denn dann nutzt der nächste Starke seine Chance. Eine Spirale der Gewalt ist die Folge – und damit auch eine ständige Bedrohung der eigenen Existenz, weil niemand sich sicher fühlen kann. Davon zeugt auch der Umgang mit den Menschen in der Anstalt von Waldniel-Hostert. Ganz abgesehen von der Unsinnigkeit, Leben unterschiedlich zu bewerten, führt der Gedanke ad absurdum, wer solche Unterscheidungen überhaupt nach welchen Kriterien treffen darf. Der Mensch ist nun mal zuweilen stark und zuweilen schwach, dabei stets fehlbar – und er muss auch Fehler machen dürfen. Um dies zu gewährleisten, muss es ein Netz geben, das ihn auffängt. Dafür sorgt die christliche Gemeinschaft.

Der Autor ist freier Journalist und Redakteur der KirchenZeitung für das Bistum Aachen.