Recht auf ein Heim

Ein Standpunkt von Andrea Thomas

Di 17. Apr 2018
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 16/2018
Die vier Wände, in denen wir leben – egal ob Ein-Zimmer-Wohnung oder Haus mit Garten – sind mehr als nur Wohnraum. Sie sind Zuhause und Rückzugsort. Hier dürfen wir Mensch sein, so sein, wie wir sind, und uns sicher und geborgen fühlen.
Andrea Thomas (c) Thomas Hohenschue

Eigentlich – denn sich verschulden zu müssen, um für sich und seine Lieben ein Dach über dem Kopf zu haben, sich Quadratmetervorgaben beugen zu sollen oder gezwungen zu sein, den Ort, an dem man ein halbes Leben verbracht hat, zu verlassen, trägt nicht gerade dazu bei. Von Schimmel an den Wänden, schlecht isolierten Fenstern, der Toilette auf dem Flur oder einer Gegend, in der wir uns unwohl fühlen, ganz zu schweigen. So möchte keiner leben müssen. Und doch bleibt vielen Menschen keine Wahl, wenn sie auf Sozialleistungen angewiesen sind. In den meisten Städten, kleinen wie großen, stehen viel zu wenige bezahl- und annehmbare Wohnungen zur Verfügung. Entsteht irgendwo neuer Wohnraum, so richtet der sich zumeist an die, die zahlungskräftig sind. Verdiene ich genug, sind Quadratmeterzahlen, Miete und Nebenkosten ebenso wenig ein Problem wie das Viertel, in dem ich leben möchte. Nun hängt der Wohlfühlcharakter meiner vier Wände sicher nicht davon ab, wie groß und wie neu die sind, wohl aber davon, ob das Umfeld stimmt, sie in gutem Zustand sind und die Miete bezahlbar ist. Niemand sollte das Gefühl haben müssen, kein Zuhause haben zu dürfen oder zu verdienen, in dem er sich wohlfühlen kann. Das hat letztlich auch etwas mit Menschenwürde zu tun.