Raum für Gott

Ein Standpunkt von Dorothée Schenk

Dorothee Schenk
Di 14. Feb 2017
Gesundheitsreform und Leistungskataloge werden diskutiert.

Wie viel Zeit darf das pflegende Personal pro Patient aufwenden? Wie lange ein Gespräch mit dem Arzt dauern? Das Ziel: Effizienz, Reduzierung von Kosten. Nicht aufgemacht wird bei dieser Weltsicht die tatsächliche Kosten-Nutzen-Rechnung. Denn diese sollte im Krankenhaus als oberstes Ziel das Wohl des Patienten im Blick haben, seine Gesundung. Glücklicherweise setzen sich nicht nur christliche Krankenhaus-Träger darüber hinweg, sondern auch weltliche Unternehmer. Der inzwischen weit verbreitete ganzheitliche Ansatz – lyrischer gesagt: die Untrennbarkeit von Leib und Seele – tut sicher das Seine dazu. So wird nicht nur die gesetzlich verpflichtende Seelsorge ermöglicht, Gott bekommt in ihren Häusern einen Raum. Ein Krankenhaus ist ein Ort, an dem vor allem Schwache, Verletzte, Getroffene und Betroffene unter einem Dach zusammenkommen. Zum Schmerz kommt die Angst. Beides braucht Intimität, die, den Behandlungen geschuldet, oft zu kurz kommt. Bieten können sie Krankenhauskapellen, weil sie Privatsphäre ermöglichen und durch vertrautes „Mobiliar“ und vertraute Bilder ein Stück Heimat geben. Es liegt in der Freiheit des Christenmenschen zu entscheiden, wann er „nach Hause“ kommen möchte, wann ein guter Zeitpunkt für das Zwiegespräch mit seinem Gott ist – 24 Stunden am Tag. Die Türe ist immer offen. Gott sei Dank ist das möglich. Denn viele Träger lassen sich – allen Vorwürfen zum Trotz – nicht durch bloße Profitgedanken in ihrer Geschäftsführung leiten.

Die Autorin ist freie Journalistin und Redakteurin der KirchenZeitung für das Bistum Aachen.