Normalität üben

Ein Standpunkt von Garnet Manecke

Garnet Manecke
Di 23. Jun 2020
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 26/2020

Was war das früher toll, wenn unvorhergesehen die Schule einen Tag ausfiel. Wie sehr hätten wir uns gewünscht, dass der Zustand ein paar Wochen andauern würde.

So ging es vielen Schülergenerationen und die gegewärtige hat das nun erlebt. Aber wie das so ist mit Träumen: Die Realität hat mit der romantischen Vorstellung nichts zu tun. Der Unterrichtsausfall hatte gar nichts vom süßen Nichtstun, denn die Begleitumstände waren alles andere als angenehm. Wann gab es das schon, dass eine Schülergeneration darüber jubelt, in die Schule zu gehen? Aber die Corona-Krise ist nicht vorbei – egal, wie sehr wir uns unser früheres Leben zurück wünschen. Drei Monate sind keine Zeit, sich auf die Veränderungen einzustellen. Die Fälle in Gütersloh und Berlin zeigen, wie schnell ein neuer Ausbruch kommen kann. Aber trotz der Bedrohung können sich die Menschen nicht nur isolieren. Zum einen, weil der Mensch ein soziales Wesen ist, das die Nähe zu anderen Menschen braucht. Zum anderen, weil niemand weiß, wann und ob jemals ein Impfstoff gegen das Virus gefunden wird. Für diesen Fall muss man eine neue Normalität finden. Das gilt auch für die Ferienprogramme. Die Kinder, die so lange isoliert waren, sollen wieder ungezwungen miteinander umgehen. Konnte es sich im vergangenen Sommer noch niemand vorstellen, dass die Kinder während der Ferien Masken tragen würden, wird das im kommenden Jahr schon normal sein. Wir alle sind gerade dabei auszuprobieren, was möglich ist und was nicht. Ferienspiele sind eine Gelegenheit, Ängste zu überwinden und Normalität zu üben.

 

Die Autorin ist freie Journalistin und Redakteurin der Kirchenzeitung für das Bistum Aachen.