Nicht locker lassen

Ein Standpunkt von Garnet Manecke

Garnet Manecke
Datum:
Di 23. Mai 2017
70 Jahre Friede in Europa haben hier dem Irrtum Platz gegeben, dass Friede selbstverständlich sei.

Aber ein Blick in die Welt und vor allem in die Historie zeigt: Das ist er nicht. Zum Frieden gehört der starke Wille für ein friedvolles Miteinander – auch über Ländergrenzen hinweg. Der Weg, den die Gemeinschaft Sant’Egidio dabei einschlägt, ist der einzig mögliche. Auch das hat die Geschichte schon oft gezeigt. Ob Ghandi in Indien, Mandela in Südafrika oder die Montagsdemonstranten in der DDR: Um Veränderungen an herrschenden Verhältnissen zu erreichen, braucht es keine Gewalt. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Es gibt viele Kriege, die formal Gewinner hervorgebracht haben. Aber keinen einzigen, der das in der Realität auch getan hätte. Zu groß ist der Preis aus Blut und Leben, der dafür immer zu zahlen ist. Ohne Frieden gibt es keine Freiheit, keine Entwicklung und ja, auch keinen Wohlstand. Gewalt und Unterdrückung lähmen. Die friedliche Begegnung mit anderen dagegen kann sehr bereichernd sein: Der Blick über den eigenen Tellerrand öffnet neue Perspektiven. Es macht glücklich, gut behandelt zu werden und andere gut zu behandeln. Und nicht zuletzt trägt eine friedliche Gesellschaft auch durch schwere Zeiten. Denn die erlebt man auch im Frieden: Arbeitslosigkeit, der Verlust eines geliebten Menschen oder eine Hungersnot wegen Trockenheit. Um solche Katastrophen zu überstehen, braucht es Solidarität. Die ist im Kampf gegeneinander nicht möglich. Deshalb lohnt es sich, für den Frieden zu arbeiten und dabei nicht locker zu lassen. Im Kleinen wie im Großen.

Die Autorin ist freie Journalistin und Redakteurin der KirchenZeitung für das Bistum Aachen.