Modellcharakter

Ein Standpunkt von Dorothée Schenk

Dorothee Schenk
Mi 7. Dez 2016
Unternehmensnachfolge ist bundesweit eines der bewegendsten Themen in den Industrie- und Handelskammern: Wie kann ein Generationenwechsel glücken?

Wie ein Wirtschaften im bewährten Geist erhalten bleiben? Das betrifft „Kirche“ als Unternehmer ebenso. Hier gilt es nicht nur, Arbeitsplätze im Blick zu behalten oder eine Bilanz. Die Bilanz ist vor allem eine geistliche Haltung. Betroffen sind in erster Linie ordensgeführte Häuser. Ganz klassisch: Krankenhäuser, Kinderheime oder Schulen, in denen nicht nur theologischer Geist weht, sondern Ordensleute sichtbar im Arbeitsalltag Zeugnis der christlichen Haltung und des Glaubens ablegen. Das Problem ist hier wie da der „Personalmangel“, denn die Klöster verwaisen zusehends. Aber ein „Unternehmen“ heißt so, weil es etwas unternimmt, statt sich ausschließlich dem Gottvertrauen und der Hoffnung auf tiefe Wurzeln im Glauben als Strategie für die Zukunft zu verlassen. Generalpriorin Schwester Sara hat die Bethanien-Kinderdörfer bereits 2001 in eine gemeinnützige GmbH überführt und einen Betriebswirt für die Geschäftsführung eingesetzt. Jetzt sind die Schwestern einen revolutionären und damit unternehmerisch entscheidenden Schritt weitergegangen: Sie haben eine eigene Personalstelle geschaffen, die nur eine Aufgabe hat: den bethanischen Geist in der Unternehmensführung und bei den Mitarbeitern zu verankern. Das lassen sich die Schwestern etwas kosten. Aber die Rendite wird hoch sein. Das ist mutig, hat Modellcharakter und muss unbedingt zur Nachahmung empfohlen werden.

Die Autorin ist freie Redakteurin für die KirchenZeitung für das Bistum Aachen.