Miteinander reden

Ein Standpunkt von Garnet Manecke

Garnet Manecke
Di 18. Apr 2017
Längst sind es nicht mehr nur prominente Persönlichkeiten wie die Journalistin Dunja Hayali, die sich Anfeindungen im Netz gegenübersehen.

Von der Beleidigung über die grobe Beschimpfung bis hin zur Morddrohung reicht die Palette der Kommentare, die über diejenigen ausgeschüttet wird, die vermeintlich etwas Falsches an sich haben. Das kann eine öffentlich geäußerte Meinung sein, aber auch die Haarfarbe, die Kleidermarke oder der Wohnort. Neid, Missgunst und Frustration, das Gefühl, den Verhältnissen ausgeliefert zu sein, und Machtstreben sind nur fünf von unendlich vielen möglichen Gründen, die den Hass nähren. Die Geschichte ist voll von Kriegen und Unterdrückung und doch lernt die Menschheit nicht daraus. Es gibt viele Erklärungsmodelle und doch gibt es keine Lösung. Die kann nur jeder für sich finden. Wer Frieden möchte, der muss bei sich anfangen und sich selbst kritisch hinterfragen. Das fängt beim freundlichen Grüßen des Nachbarn an und hört beim offenen Ansprechen möglicher Konflikte nicht auf. Sich nicht zu streiten, ist keine Lösung. Gerade, wenn Konflikte drohen, darf man nicht schweigen. Nicht im Privaten und auch nicht öffentlich. „Wenn der Dialog endet, können wir alle einpacken“, sagte die Journalistin Dunja Hayali in einem Interview. Damit trifft sie den Kern: Nur wenn wir miteinander reden statt übereinander, können Konflikte gelöst werden, bevor Hass entsteht. Würden die Menschen so verfahren, wäre die Theaterlandschaft um viele Dramen ärmer. Die Welt aber wäre ein friedlicher Ort. Das ist eine Utopie, an deren Realisierung zu arbeiten sich lohnt.

Die Autorin ist Redakteurin für die KirchenZeitung in der Region Mönchengladbach/Heinsberg.