Konservativ sein

Ein Standpunkt von Garnet Manecke

Garnet Manecke
Di 18. Feb 2020
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 08/2020

Das Brauchtum steht nicht gerade in dem Ruf, sich für Neuerungen zu begeistern. Winter- wie Sommerbrauchtum leben konservative Werte.

Fünf Jahre ist es her, dass der Katholische Bund historischer deutscher Schützenbruderschaften (BHDS) für Empörung sorgte, weil er einen muslimischen Schützenkönig nicht akzeptieren wollte und ihm die Teilnahme am Bezirkskönigsschießen versagte. Die Schützen sahen sich heftiger Kritik gegenüber – zumal der muslimische Schützenkönig vier katholisch getaufte Kinder hatte. Das Festhalten an konservativen Traditionen führte zur Ausgrenzung. Ganz anders waren die Reaktionen vergangenes Jahr im Mai auf die Bekanntgabe, dass das närrische Prinzenpaar in Mönchengladbach in dieser Session ein Prinzen-Paar sein würde. Es wurde die Toleranz gefeiert und dass nun die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei. Aber wenn dem so ist, warum ist die Tatsache, dass zwei Männer die Narren regieren, so viele Schlagzeilen wert?  Bei näherem Hinsehen ist die Entscheidung des Mönchengladbacher Karnevalsverbands (MKV) wertkonservativer, als es auf den ersten Blick scheint. Denn mit der Wahl des Prinzen-Paares hat sich der MKV für ein Paar entschieden, dass den zentralen Wert des Christentums verkörpert: die Nächstenliebe. Die beinhaltet, Menschen so anzunehmen, wie sie sind und nicht, wie man sie haben möchte. Gott liebt alle Menschen, so lehrt es das Christentum. Es ist unwahrscheinlich, dass er jemanden wegen des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung ausgrenzt. Gott ist da konservativ. Der Mensch sollte es auch sein.

Die Autorin ist freie Journalistin und Redakteurin der KirchenZeitung für das Bistum Aachen.