Es ist Zeit für Gleichberechtigung

Die Kirche braucht Veränderung, und die sollte weiblich sein – Ein Standpunkt von Ruth Schlotterhose

Ruth Schlotterhose (c) Einhard Verlag
Mo 28. Mai 2018
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 22/2018
Was wäre, wenn alle Frauen, die Dienst in der Kirche tun, ihre Arbeit niederlegten? Das soziale Gefüge nicht nur der Kirche, sondern auch der Zivilgesellschaft bräche zusammen.

Dabei ist es einerlei, ob von ehrenamtlich oder hauptamtlich Tätigen die Rede ist. Dass wir Frauen eine so große tragende Säule in der Kirche darstellen, ist einer der Gründe, weshalb wir auch hier eine gleichberechtigte Rolle neben den Männern spielen sollten. Zu Recht wird immer wieder die Forderung nach dem Diakonat der Frau laut. Über die Jahrhunderte hinweg haben sich in der Amtskirche Strukturen gefestigt bis hin zu steinharten Verkrustungen. Die aufzureißen, bedeutet ein hartes Stück Arbeit. Das musste selbst Papst Franziskus jüngst erfahren. Das päpstliche Schreiben „Amoris Laetitia“ thematisiert unter anderem einen offeneren Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen. Es spricht Bände, welcher Wirbel damit in der katholischen Priesterschaft ausgelöst wurde. Die Barmherzigkeit, die in diesem Dokument angesprochen wird, war aber doch eines der schlagkräftigsten Argumente, mit denen das Christentum überzeugen konnte? Vielleicht haben die protestierenden Priester schlichtweg Angst. Sie fürchten das Wagnis, sich auf etwas Neues einzulassen, fürchten die Veränderung, fürchten vielleicht auch den Verlust von Einfluss und Macht.

 

Bleiben wir Frauen dran, zäh und durchsetzungsstark

In unserem Streben nach Gleichberechtigung müssen wir Frauen uns immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass wir nicht dieselben Fehler machen dürfen, wie die Männer sie gemacht haben. Die katholischen Kirche muss den Stempel einer selbstherrlichen und prunkliebenden Institution verlieren, den sie mancherorts hat. Unsere weiblichen Stärken sind es, die die Gesellschaft braucht: Geduld und Einfühlungsvermögen, Zähigkeit und Durchsetzungskraft und nicht zuletzt Mut und auch die Fähigkeit zum Verzicht. Vor allem müssen wir den Amtsinhabern in der Kirche vermitteln, dass wir nicht gegen sie, sondern mit ihnen arbeiten möchten: an einer Welt, in der alle Menschen in Frieden leben können. Verfolgen wir unser Anliegen nach Veränderung in der katholischen Kirche mit Zähigkeit und Durchsetzungskraft! Überzeugen wir die männliche Riege davon, dass Frauen nicht bloß Macht anstreben! Öffnen wir unseren Mitmenschen die Augen, dass die Kirche Frauen in all ihren Facetten braucht: als Verantwortungsträgerinnen für eine gerechtere Welt in allen Gremien vom Pfarreirat über die Bischofskonferenz bis zum Kardinalskollegium. Und nicht zu vergessen die vor Ort im Stillen wirken als Pflegerin, Küsterin oder Mitglied in einer Gebetsgruppe. In diesem Sinne sollten wir geduldig bleiben und nicht vor großen Zielen zurückschrecken. Schauen wir darauf, was sich allein in den letzten fünfzig Jahren in der Kirche getan hat – und bleiben wir am Ball, damit wir eines Tages wieder „alles gemeinsam haben“ (Apg 2,32).