Eine Notwendigkeit

Ein Standpunkt von Garnet Manecke

Garnet Manecke
Di 23. Apr 2019
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 17/2019
An diesem Wochenende, 4. und 5. Mai, wird bei den Kollekten im Bistum Aachen wieder für die Vereine und Initiativen gesammelt, die sich für arbeitslose Menschen engagieren.

Arbeitslos zu sein, wird in unserer Gesellschaft immer noch als Makel empfunden – vor allem jetzt, wo überall vom Fachkräftemangel die Rede ist und Stellen deshalb unbesetzt bleiben. Was dabei gerne übersehen wird: Die Arbeitslosen haben sich ihr Schicksal nicht ausgesucht. Sie haben nicht gesagt: „Hey, ich bin froh, keine Arbeit zu haben. Jetzt habe ich dafür so viel Freizeit.“ Arbeitslosigkeit heißt: Geldmangel, Abhängigkeit und Perspektivlosigkeit, Probleme. Und das umso stärker, je länger die Arbeitslosigkeit dauert. Einrichtungen wie der Volksverein in Mönchengladbach, Amos in Oberbruch oder die KAB-Beratungsstellen kümmern sich um diese Menschen, machen Mut, helfen bei Bewerbungen, qualifizieren. Und das Wichtigste: Sie geben den Betroffenen wieder Vertrauen in ihre Fähigkeiten und ihre Zukunft. Denn nur, wer sich selbst etwas zutraut und optimistisch ist, kann Chancen erkennen und sie ergreifen. Wer selbst einmal arbeitslos war, weiß, wie wichtig Unterstützung ist. Denn die psychische Belastung ist enorm. Selbst dann, wenn man durch eine gute Ausbildung gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat. Für jemanden, der keine Ausbildung hat oder lange Zeit nicht arbeiten konnte, ist das noch schwieriger. Diesen Menschen zu helfen, ist nicht nur ein Akt der Nächstenliebe. Es ist auch ein Akt ökonomischer Notwendigkeit. Denn jeder Arbeitslose, der wieder einen bezahlten Arbeitsplatz bekommt, entlastet die Sozialkassen, zahlt Steuern und Sozialabgaben.

Die Autorin ist freie Journalistin und Redakteurin der KirchenZeitung für das Bistum Aachen.