Andere Perspektive

Ein Standpunkt von Kathrin Albrecht

Kathrin Albrecht (c) privat
Di 28. Mär 2017
Knapp zwei Jahre diskutieren wir darüber, wie die rund 900000 Menschen, die Deutschland 2015 als Schutzsuchende aufgenommen hat, integriert werden können.

Und dem sicheren „Wir schaffen das“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel schlägt immer häufiger ein zweifelndes „wirklich?“ entgegen. Nicht einfacher macht es die gesamtpolitsche Gemengelage mit der latent drohenden Gefahr durch sich radikalisierende oder radikalisierte Terroristen. Vieles wird da in der Diskussion in einen Topf geworfen, viel zu oft wird darüber das Wesentliche vergessen: Es geht um Menschen, um viele Einzelschicksale, die im Asylprozess allzu schnell zum Aktenzeichen werden, oder, wie Diakon Martin Schlicht es ausdrückt: Der Überlebensquell dieser Menschen werde „in ein staatsrechtliches Verfahren gepresst, das das gar nicht erfasst.“ „Von Kolumbien lernen“ war das Fachgespräch überschrieben, über das wir auf dieser Doppelseite berichten. Was können wir lernen? Ich denke, da war trotz aller grundlegenden Unterschiede schon etwas dabei: Weitermachen zum Beispiel, auch wenn es schwierig ist. Kolumbien macht sich nun auf den mühsamen Weg, nach 60 Jahren Gewalt zur Gewaltlosigkeit zu finden, die verfeindeten Parteien miteinander auszusöhnen. Das ist kein einfacher Weg. Ist unsere Aufgabe dazu im Vergleich so viel schwerer? Manchmal kann es heilsam sein, ein Problem aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Ein Stichwort fiel an diesem Abend sehr oft und es ist wichtig: Solidarität. Integrationsarbeit gelingt nicht mit nur einigen Wenigen, es ist die Aufgabe aller.

Die Autorin ist Redakteurin bei der KirchenZeitung für das Bistum Aachen.