Nah an der Gemeinde

Mit seinem Laptop streamt Pfarrer Roland Bohnen im Selfkant täglich einen Gottesdienst

(c) Garnet Manecke
24. Mär 2020
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 13/2020 | Garnet Manecke

 Lange Wege zu seinen Gemeindemitgliedern ist Pfarrer Roland Bohnen gewohnt. Der Selfkant ist sehr ländlich geprägt,  zwischen den Dörfern liegen oft mehrere Kilometer Weg, gesäumt von Feldern und Natur. Seitdem die Kirchen geschlossen werden mussten und Gottesdienste nicht mehr stattfinden dürfen, scheinen die Wege noch weiter. Mit Hilfe von Online-Gottediensten versucht Pfarrer Roland Bohnen, die Wege wieder zu verkürzen.  

(c) Garnet Manecke

Kurz vor der Übertragung hat es mit dem Ton noch nicht so richtig geklappt. „Als wir das das erste Mal getestet haben, war der Klang durch den Hall in der Kirche ganz schrecklich“, berichtet Pfarrer Roland Bohnen. Das Mikrofon an seinem Laptop hat für die Übertragung nicht ausgereicht. Also hat sich der Geistliche noch schnell ein neues Mikro besorgt, das er direkt am Körper tragen kann. Noch immer hallt es ein wenig bei der Übertragung, aber jetzt ist der Pfarrer wenigstens zu verstehen, wenn er seinen Laptop aufklappt und über dessen Kamera den Gottesdienst online ausstrahlt. Es ist eine neue Erfahrung für den Pfarrer und seine Gemeinde. „Es ist schon komisch, nicht direkt zur Gemeinde sprechen zu können“, sagt er. Bei der Premiere des Online-Gottedienstes standen ihm Gemeindeassistentin Sylvia Seefeldt als Lektorin und Tobias Klix als Messdiener zur Seite. Begleitet wurde der Gottesdienst von Nicole Wilms-Gilkens an der Orgel. Jeden Tag um 18 Uhr geht Roland Bohnen nun online und verkündet Gottes Wort über Youtube.

 

Am ersten Online-Gottesdienst aus dem Selfkant haben 73 Gläubige teilgenommen

73 Gläubige haben den ersten Online-Gottesdienst aus dem Selfkant verfolgt. Der Altar mit den bunten Kirchenfenstern im Hintergrund war das erste Bild auf den Monitoren. Die Kerzen brennen, im Hintergrund ist die Orgel zu hören. Der Klang der Übertragung ist etwas blechern. „Ich war hinterher erschrocken über den Badewannenklang“, sagt Bohnen lachend als er davon berichtet, wie er sich nach dem Gottesdienst die Aufzeichnung angesehen hat. Seinen Gottesdienst beginnt er mit  einer direkten Anspracher der Gläubigen, die er in die Kamera spricht: „Ich freue mich, dass man auch über die Medien kommunizieren kann.“

Und gleich danach entschuldigt sich Bohnen dafür, dass die Übertragung noch nicht perfekt sei. „Die Technik wird sich in den nächsten Tagen noch verbessern“, verspricht er. „Wir lernen ja.“ Von Anfang an sei ihm klar gewesen, dass Bild- und Tonqualität nicht optimal seien, sagt Bohnen. „Aber es ging uns erstmal darum, die Menschen zu erreichen. Sie sollen wissen, dass wir für sie da sind und ihre Anliegen vor Gott bringen.“ Das Bild ist etwas körnig, als Bohnen in seiner Predigt über die Nächstenliebe redet. „Vieles ist zurzeit nicht möglich, die Nächstenliebe aber ist immer möglich“, hört der Zuschauer die Worte des GdG-Leiters. „Auch das Leben nach den zehn Geboten ist möglich, wenn vieles nicht unmöglich geworden ist.“ In seiner Predigt appelliert Bohnen an die Gläubigen, nicht in Angst oder gar Panik zu verfallen. Er sieht eine große Hilfsbereitschaft unter Nachbarn, die sich gegenseitig helfen und stützen.

Auch die Online-Messe verläuft nach den Regeln der Liturgie mit gemeinsamen Gesang, Fürbitten und der Eucharistie. Zuhause vor dem Monitor kann man im eigenen Gotteslob blättern, das genannte Lied  heraussuchen und mitsingen. Es ist eine schöne und tröstliche Vorstellung, dass auch in anderen Wohnungen Menschen sitzen, die dasselbe Lied singen.

 

Wer ein Anliegen hat, kann das online einreichen und sich so aktiv beteiligen

Wer ein bestimmtes Anliegen hat oder eine Fürbitte einbringen will, kann das online über die Website einreichen. Auf diese Weise beteiligt sich die Gemeinde aktiv an der Gestaltung der Gottesdienste. Wie wichtig das ist, hat Bohnen an den Reaktionen auf die Premiere gemerkt. „Ich habe danach so schöne Zuschriften bekommen“, freut er sich. Zum Beispiel die von der Familie, die den Gottesdienst zusammen anschaut. Oder jene von der Tochter, deren 73-jährige Mutter bei dem Gottesdienst Trost findet. An der Technik wird Bohnen noch etwas feilen. Eine Idee ist, den Ton über die Mikrofonanlage der Kirche zu übertragen. Die ist auf den Klang der Gottesdienste und von Musikgruppen ausgerichtet. Sie in die Übertragung mit dem Laptop des Pfarrers einzubinden, sei nicht ganz einfach, sagt Bohnen.

Vielleicht kommt irgendwann auch eine richtige Kamera zum Einsatz. Vorerst gilt es, aus der vorhandenen Technik so viel wie möglich herauszuholen. Aber auch wenn man von den großen Fernsehgottesdiensten andere Bilder  gewohnt ist, rührt der Stream aus dem Selfkant doch das Herz. Denn es geht ja  eigentlich um die Inhalte und die Verkündigung des Evangeliums. Und dem ist es egal, wenn es etwas blechern klingt. Übertragen werden die Online-Messen der GdG Selfkant werktags um 18 Uhr. Um 19 Uhr wird täglich zu einer Novene eingeladen. Jeden Sonntag wird um 10.30 Uhr der Gottesdienst gestreamt unter www.kirche-selfkant.de. Auch andere GdG gehen mit ihren Angeboten online und übertragen ihre Eucharistiefeier auf Youtube oder im Radio.  Infos zu den Terminen und Links sind  auf den Websites oder in den jeweiligen Pfarrbüros der GdG abrufbar.