Internet-Lotsen

Am St. Bernhard- Gymnasium helfen Schüler ihren Mitschülern als Medienscouts.

Als Medienscouts unterwegs: Mika Schmidt, Jonathan Gerth, Mika Amerkamp und Tim Wulsten mit Lehrerin Myriam Bolsen. (c) Kathrin Albrecht
Als Medienscouts unterwegs: Mika Schmidt, Jonathan Gerth, Mika Amerkamp und Tim Wulsten mit Lehrerin Myriam Bolsen.
Datum:
5. Jan. 2026
Von:
Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 01/2026 | Kathrin Albrecht

Unsere Welt ist digitaler geworden. Nicht nur beruflich, auch im privaten Raum läuft vieles über das Internet oder die Sozialen Medien. 

Und dabei bekommen wir nicht immer nur schöne Dinge zu sehen. Das merken auch Kinder und Jugendliche, die auf Instagram oder TikTok unterwegs sind oder Spiele-Plattformen, wie Roblox, nutzen. Nachrichten, in denen die jungen Nutzerinnen und Nutzer beleidigt und bloßgestellt werden, das Cybermobbing, oder in denen explizite Fragen nach ihrem Privatleben gestellt und Fotos versendet werden, in der Absicht des sexuellen Missbrauchs, das Cyber-Grooming. 

Projekt ist 2016 gestartet

Am Willicher St. Bernhard-Gymnasium klären Medienscouts ihre Mitschüler über diese Gefahren auf. Vier von ihnen sind Mika Amerkamp (8e), Tim Wulsten, Jonathan Gerth (beide 9c) und Mika Schmidt (9d). Zweimal im Monat treffen sich die Scouts. „Dann besprechen wir die Präsentation, die wir in den fünften und sechsten Klassen zeigen und mit der wir erklären, was Cybermobbing und Cyber-Grooming ist, zeigen einen Film und stellen Fragen, welche Erfahrungen die Schüler schon gemacht haben“, erklären sie ihre Aufgabe.

Insgesamt sind 18 Medienscouts an der von der Malteser Werke gGmbH getragenen Schule unterwegs. Betreut werden sie von Myriam Bolsen, Lehrerin für Biologie und Mathe und geschulte Beratungskraft für Medienscouts. Die Betreuungslehrkräfte greifen auch ein, wenn die Probleme den Rahmen der Medienscouts sprengen sollten. 2016 startete die Aktion am St. Bernhard-Gymnasium. Bolsen: „Wir haben Schülerinnen und Schüler nach ihren Erfahrungen befragt, ob sie schon einmal beleidigende Textnachrichten bekommen haben oder Fotos erhalten haben, die komisch waren.“ Das Ergebnis: Viele hatten schon Erfahrungen mit Cybermobbing und auch Cyber-Grooming gemacht. 

Mika Amerkamp kennt die Medienscouts aus einer Vorstellungsrunde: „Da habe ich Lust bekommen, selber mitzumachen.“ Auch Jonathan hat die Medienscouts über die Vorstellungsrunde kennengelernt. Seine Motivation: „Ich möchte den Schülern aus den fünften und sechsten Klassen dabei helfen, wie man Cybermobbing und -Grooming erkennt.“ Tim kennt in seinem Umfeld jemanden, der schon Opfer von Cybermobbing geworden ist: „Ich wollte helfen und bin darüber zu den Medienscouts gekommen.“ Und Mika Schmidt findet: „Aufklärung ist wichtig und wertvoll.“ Medienscout können alle Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse werden.

Unterstützung gibt es außerdem von der Neigungsgruppe Medienscouts, die ab der sechsten Klasse belegt werden kann. „Hier schauen wir uns grundlegende Themen an wie Künstliche Intelligenz, Sicherheit im Internet oder die Zeit, die die Schülerinnen und Schüler in den Medien verbringen“, erzählt Myriam Bolsen. Viele, die die Neigungsgruppe belegt haben, machen als Medienscouts weiter. „Zu Beginn laufen sie mit, zum Beispiel bei den Präsentationen, und wachsen dann in die Aufgabe hinein“, beschreibt es Myriam Bolsen. Und beobachtet dabei auch, „dass sich viele dadurch persönlich entwickeln und wachsen. Eher Schüchterne lernen, vor einer großen Klasse zu sprechen und zu präsentieren.“

Beeindruckend sei auch der persönliche Einsatz der Medienscouts: „Wir treffen uns alle 14 Tage von 7.40 Uhr bis 9.10 Uhr. Auch die Neuntklässler, für die Soziales Lernen, wozu die Medienscouts gehören, eigentlich nicht mehr verpflichtend ist, ziehen da mit.“ Tim, Jonathan und die beiden Mikas erzählen, dass sie auch für sich selbst viel gelernt haben – und bewusster und vorsichtiger geworden sind mit dem, was sie über die Sozialen Netzwerke teilen. Ein Verbot von Sozialen Medien für unter 16-Jährige, wie es aktuell diskutiert wird, sehen die vier differenziert. Die Nutzung von Plattformen wie Instagram oder Facebook erst ab 16 zu erlauben, findet Tim okay, aber weniger gut fände er ein Verbot von WhatsApp: „Das nutzen bereits viele in unserer Altersgruppe, auch, um sich zu verabreden.“ Besser wäre es, da sind sich alle einig, wenn die Plattformanbieter die Chatfunktionen für jüngere Nutzerinnen und Nutzer sicherer machen würden.

Dass Schüler Schülern helfen, komme gut an und: „Seit wir mit den Medienscouts unterwegs sind und die Neigungsgruppe anbieten, hat sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die schlechte Erfahrungen in den Sozialen Medien gemacht haben, verringert“, beobachtet Bolsen die positive Entwicklung. Die Willicher Medienscouts sind außerdem Teil eines landesweiten Netzwerkes von Schulen, an denen Schüler ihre Mitschüler über die Gefahren im Internet aufklären. Das haben sie auch schwarz auf weiß: Das Land Nordrhein-Westfalen hat das St. Bernhard-Gymnasium als Medienscouts-Schule zertifiziert.

Sicherer online unterwegs

Das Land Nordrhein-Westfalen startete die Aktion Medienscouts 2011, dabei informieren Jugendliche ihre Mitschülerinnen und -schüler über die Gefahren im Internet und in den Sozialen Medien und beraten, wie sie sich davor schützen können. Nach aktuellem Stand gibt es inzwischen 1200 qualifizierte Medienscoutschulen landesweit, 8500 Schülerinnen und Schüler sind dabei als Medienscouts an ihren Schulen unterwegs. Das Projekt Medienscouts wird von der Landesanstalt für Medien NRW durchgeführt und vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft gefördert. Es unterstützt Schulen dabei, präventiv Probleme wie Cybermobbing, Cyber-Grooming, Datenmissbrauch und exzessive Mediennutzung im schulischen Alltag aufzugreifen und zu bearbeiten.