Im Auftrag auf Einkaufstour

In Rheindahlen helfen die Frauen und Männer der KJG bei täglichen Besorgungen und dem Wocheneinkauf

Das Einkaufen ist heute einfacher als zu Beginn der Krise: Moritz Breuer packt alles in den Kofferraum. (c) Garnet Manecke
Das Einkaufen ist heute einfacher als zu Beginn der Krise: Moritz Breuer packt alles in den Kofferraum.
18. Mai 2020
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 21/2020 | Garnet Manecke

Als die Corona-Einschränkungen in Kraft traten, haben die jungen Frauen und Männer der Katholischen Jungen Gemeinde Rheindahlen sofort einen Hilfsdienst organisiert. Der besteht mit den Lockerungen noch, denn die Pandemie ist noch nicht vorbei. Die KiZ hat einen der Einkäufer begleitet. 

Auftraggeber Helmut Holz erwartet ihn schon an der Tür. (c) Garnet Manecke
Auftraggeber Helmut Holz erwartet ihn schon an der Tür.

Brot, Käse, Eier, Butter, etwas frisches Obst, ein paar Süßigkeiten und eine Fernsehzeitschrift: Die Einkaufsliste hat Moritz Breuer Punkt für Punkt abgearbeitet und packt die Sachen nun in den Kofferraum seines Autos. Seinen Einkaufskorb hat der Medizinstudent immer im Wagen. Die Papiertüte hat ihm sein Auftraggeber mitgegeben. Beide sind nun bis zum Rand gefüllt. Ein bis zwei Mal in der Woche geht der 22-Jährige ehrenamtlich auf Einkaufstour. Dazu kommen hier und da Einzelaufträge wie Rezepte aus Arztpraxen abzuholen oder in der Apotheke ein paar Medikamente zu kaufen. 

Am Vortag hat der 22-Jährige die Einkaufsliste per Whatsapp zugesandt bekommen. „Mittlerweile werden die Listen in der Reihenfolge aufgeschrieben, wie sie auf dem Weg durch die Gänge in den Regalen zu finden sind“, sagt Moritz Breuer. Er ist einer von sechs ehrenamtlichen Einkaufshelfern der KJG Rheindahlen. Ursprünglich waren es zehn Teammitglieder, aber die Nachfrage ist mit den Lockerungen wieder geringer geworden. Heute ist der Alltagshelfer für Helmut Holz unterwegs. Der 79-Jährige ist über Facebook auf den Einkaufstrupp gestoßen. „Meine Frau ist krank, und ich bin darauf angewiesen, zu Hause zu bleiben. Schon allein, um sie zu schützen“, sagt Holz. Die regelmäßigen Arztbesuche, die das Paar absolvieren muss, seien genug. Weitere Risiken möchte Holz nicht eingehen. „Deshalb möchte ich vermeiden, beim Einkaufen Menschen auf engem Raum zu treffen. Über die Hilfe bin ich sehr froh.“

 

Weil das Feriencamp abgesagt wurde,  hatten die Campleiter viel Zeit

Ins Leben gerufen haben die jungen Frauen und Männer der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) ihren Service, als die Corona-Krise mit dem Lockdown ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Eigentlich hatte die Gruppe geplant, mit 32  Kindern und Jugendlichen zum Feriencamp in die Niederlande zu fahren. „Das wurde natürlich gleich abgesagt“, erinnert sich Breuer. Die Kontaktbeschränkungen brachten es mit sich, dass auch Schulen und Hochschulen schlossen und Studierende nun Zeit hatten. „Als Risikogruppe sollten Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen möglichst zu Hause bleiben. So kamen wir auf die Idee, unsere Hilfe für Hilfebedürftige jeden Alters anzubieten und den Einkaufsservice ins Leben zu rufen“, erzählt Breuer. Sofort schalteten die KGJ-Leiter eine Telefonkonferenz und sprachen sich ab, wer in den kommenden Wochen welchen Stadtteil übernehmen wollte, schrieben bis tief in die Nacht Infoblätter, die sie verteilten und machten ihr Angebot über Presse und Social-Media-Kanäle bekannt. „Anfangs dachten wir, wir müssten erst handgeschriebene Einkaufszettel einsammeln. Aber erstaunlich viele Senioren sind im Internet unterwegs“, erzählt Moritz Breuer. „Die Bestellungen kamen meist per E-Mail oder über Whatsapp.“

Das war nicht der einzige Punkt, der die Einkäufer überrascht hat. Auch das Einkaufen der richtigen Produkte war anfangs nicht ganz so einfach. „Jeder hat ja seine Vorlieben für Produkte und Marken. Anfangs haben wir schon mal die falsche Erdbeermarmelade mitgebracht oder den Lieblingssalat nicht gefunden“, berichtet Breuer. „Ganz zu Anfang waren ja auch einige Produkte schwer zu bekommen und wir mussten zwei oder drei Einkaufsmärkte anfahren, um alles zu einzukaufen. Das geht jetzt wieder viel schneller.“ Heute muss Moritz Breuer nur einen Supermarkt ansteuern, in dieser Woche hat er wenige Bestellungen. Die vollen Einkaufstaschen bringt er direkt zu Helmut Holz. Der erwartet den Medizinstudenten schon an der Tür. Breuer stellt die Taschen ab und geht dann ein paar Schritte zurück, so dass Holz die Sachen kontaktlos in Empfang nehmen kann. Für einen kleinen Plausch ist immer noch etwas Zeit. Holz erzählt, wie er früher in seiner Freizeit Musiker in einer Band war und von Auftritten in der Stadt. Heute vertreibt er sich die Zeit mit Musik und greift ab und zu zum Akkordeon. Den jungen Helfer fragt er nach seinem Studium und seinen Zukunftsplänen. Bald stehen bei dem 22-Jährigen die Praxissemester in Kliniken an.

Bis Ende Mai soll der Service auf jeden Fall noch aufrecht erhalten werden. Wie es dann weitergeht, hängt auch vom weiteren Verlauf der Pandemie ab. „An meiner Uni in Gießen beginnen bald wieder die Präsenzveranstaltungen“, sagt Breuer. „Sollte es aber eine zweite Welle geben, können wir das Angebot gleich wieder ausweiten.“

 

Kontakt und Infos per E-Mail unter coronahilfe@kjg-rheindahlen.de