Manche Frauen haben eine jahrelange Leidenszeit hinter sich, bis Schmerz und Erschöpfung zu groß werden und sie den Mut aufbringen, um Hilfe zu bitten. Sie ertrugen psychische oder körperliche Gewalt von ihren Männern oder Partnern, die die komplette Kontrolle ausüben wollten – auch über die Kinder. Wenn die Not am größten ist, wenden sich die Mütter meist an die Polizei, die den Kontakt zum Frauenhaus des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) herstellt. Dort finden sie Zuflucht, professionelle Beratung und Unterstützung für die eigenverantwortliche Lebensgestaltung
Doch das Krefelder Frauenhaus – es ist jetzt 40 Jahre alt – braucht derzeit selbst Hilfe. Anders als sonst, sind dort derzeit nicht nur Frauen und Mütter mit ihren Kindern untergebracht. Handwerker arbeiten in Räumen und Gängen. Bei einem Wasserrohrbruch wurde ersichtlich, dass die Immobilie grundsaniert werden muss. Kostenpunkt: 350.000 Euro. Der SkF bittet um Unterstützung.
„Die Elektrik ist veraltet und entspricht nicht mehr den heutigen Standards. Die Wasserrohre sind undicht und müssen dringend erneuert werden. Die Böden sind so stark beschädigt, dass sie teilweise nicht mehr sicher sind“, zählt SkF-Geschäftsführerin Mareike van Eickels die baulichen Probleme auf und sagt, dass der Schutzraum sozusagen zerfalle. „Die notwendigen Sanierungen sind umfassend und dulden keinen Aufschub mehr. Dies geschieht im laufenden Betrieb und bedeutet für die Bewohnerinnen derzeit ein Leben in improvisierten Ausweichquartieren, Enge und zusätzliche Belastung.“
Es geht im Frauenhaus grundsätzlich nicht allein um die sichere Unterbringung: „Oftmals sind die Frauen nicht fähig, ihr Leben künftig selbst in die Hand zu nehmen, weil ihnen beispielsweise der Besitz eines Telefons oder einer Bankkarte vom Mann seit jeher verboten wurde“, berichtet Eva Baum, Leiterin des Fachbereichs Einrichtungen beim SkF. „Sie stehen unter kompletter Kontrolle durch Kameras in der Wohnung oder GPS-Tracker, um stets geortet werden zu können.“ Das gehe durch alle Bevölkerungsschichten, mit einem höheren Anteil an Migrantinnen.
Da ist beispielsweise die 41-jährige Lisa mit ihren drei kleinen Kindern, die unter steter Bewachung stand. „Irgendwann war der Punkt erreicht, dass sie die Übermacht ihres Partners nicht mehr ertragen konnte und sich an das Frauenhaus wandte.“
In Nordrhein-Westfalen bestehen rund 60 Frauenhäuser mit etwa 650 Plätzen und langen Wartelisten. Kurzzeitig waren zwei Unterkünfte frei.
In Krefeld gibt es neben dem Frauenhaus mit zwölf Plätzen zwei Schutzwohnungen – sie sind alle immer belegt. Die Einrichtungsleitungen sind landes- und bundesweit eng vernetzt, da die Frauen nicht im Frauenhaus der eigenen Stadt untergebracht werden können. „Die Gefahr, dass die Frauen beim Einkaufen und die Kinder beim Schulbesuch von den suchenden Männern entdeckt werden, ist zu groß.“ Deshalb bleibt die Adresse des Gebäudes zusätzlich anonym.
Aus dem Frauenhaus heraus muss die Mutter lernen, ihr Leben und das ihrer Kinder in einer fremden Stadt selbst in die Hand zu nehmen. Einkaufen, kochen und den Haushalt führen, die Kinder in die Schule schicken. Das erfordert oftmals einen gewaltigen Lernprozess, bei dem sie jedoch Unterstützung bekommt. Die Hilfe der Frauen untereinander sei immer besonders groß, sagt Baum. Jede hat ein eigenes Zimmer, zwei teilen sich ein Bad. Sie bleiben zwischen drei und sechs Monaten durchschnittlich im Zufluchtshaus.
„Wir melden die Hilfesuchende direkt beim Jobcenter an, damit sie krankenversichert ist und Geld bekommt. Über das Bürgergeld oder mit möglichem Eigenkapital, kann sie dann ihren Platz und den ihrer Kinder im Frauenhaus bezahlen. Pro Person kostet das 40 Euro am Tag. In der Not finden wir auch andere Lösungen, der Betrag ist einkommensabhängig.“ Es sei stets ein kompletter Neustart, sagt Baum. „Die Frauen flüchten fast immer ohne alles.“
Die Verantwortlichen des Sozialdienstes katholischer Frauen bitten dringend um Gelder, um die Kosten decken zu können. Auf der Homepage (skf-krefeld.de) geht es zu zwei Spendenkonten.
Die Hilfehotline: 116 016; www.frauen-info-netz.de